04.06.2026 | 05:00
Energieprofiteure aus der zweiten Reihe: Warum dynaCERT, 2G Energy und SFC Energy vor einer starken Wachstumsphase stehen
Künstliche Intelligenz, Energiewende, Dekarbonisierung und geopolitische Spannungen verändern die Weltwirtschaft derzeit grundlegend. Der Energiebedarf steigt, gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Genau an dieser Schnittstelle entstehen derzeit für Anleger spannende Investmentstorys. Besonders interessant erscheinen die Aktien von dynaCERT, 2G Energy und SFC Energy. Die drei Unternehmen verfolgen unterschiedliche Ansätze, profitieren aber vom gleichen Megatrend, nämlich Energie effizienter, sicherer und unabhängiger nutzbar zu machen.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , 2G ENERGY AG | DE000A0HL8N9 , SFC ENERGY AG | DE0007568578
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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dynaCERT: Neue Wasserstoff-Spekulation
Die große Wasserstoff-Euphorie an den Börsen ist vorerst verflogen. Viele Highflyer von einst haben einen Großteil ihrer Kursgewinne längst wieder abgegeben. Doch in solchen Phasen entstehen oft neue, interessante Einstiegschancen mit der Hoffnung auf einen Turnaround. Dazu zählt auch die Aktie von dynaCERT. Die Kanadier wollen bestehende Dieselmotoren effizienter machen und haben mit HydraGEN™ ein System entwickelt, das Wasserstoff und Sauerstoff direkt an Bord eines Fahrzeugs erzeugt und dem Verbrennungsprozess zuführt. Dadurch sollen Kraftstoffverbrauch und Emissionen sinken. Der große Vorteil besteht darin, dass dynaCERT dadurch einen riesigen Bestandsmarkt adressieren kann, anstatt auf den Austausch kompletter Fahrzeugflotten zu setzen. Weltweit sind schließlich noch Millionen von Lastkraftwagen, Baumaschinen, Generatoren und Bergbaufahrzeugen im Einsatz, die noch viele Jahre betrieben werden. Vor allem in jetzigen Zeiten hoher Dieselpreise gewinnt die Technologie von dynaCERT an Attraktivität. Für Speditionen oder Betreiber großer Maschinenparks verbessert jeder eingesparte Liter Kraftstoff unmittelbar die Wirtschaftlichkeit. Eine große Wachstumschance für die Nordamerikaner liegt im Rohstoffsektor. Gerade Bergbauunternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre CO2-Bilanzen verbessern zu müssen. Die speziell entwickelten HG4C- und HG6C-Systeme von dynaCERT adressieren gigantische Dieselmotoren mit bis zu 90 Litern Hubraum, wie sie in Minenfahrzeugen oder stationären Generatoren eingesetzt werden. Die Firma könnte dort eine vergleichsweise kostengünstige Brückentechnologie anbieten. Bereits in Südamerika wurden Systeme an große Tagebauminen ausgeliefert.
Noch spannender wird die Wachstumsstory durch die CO2-Zertifikatestrategie. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit hat das Unternehmen wichtige Fortschritte bei der Anerkennung seiner Emissionsreduktionsmethodik erzielt. Künftig könnten Kunden nicht nur Kraftstoffkosten sparen, sondern zusätzlich CO2-Gutschriften generieren. Damit entsteht potenziell ein zweiter Erlöshebel, der die Attraktivität der Technologie deutlich erhöhen könnte. Mit der eigenen Telematikplattform HydraLytica verfügt dynaCERT zudem über ein digitales Ökosystem, das Verbrauchs- und Emissionsdaten erfasst. Gelingt die breite Kommerzialisierung, könnte daraus ein margenstarkes Plattformgeschäft mit wiederkehrenden Erlösen entstehen.
Operativ verdichten sich derzeit die Hinweise, dass die Gesellschaft in eine neue Wachstumsphase eintreten könnte. Das Management hat zuletzt die strategischen Prioritäten für 2026 geschärft und konzentriert sich verstärkt auf Märkte mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit. Parallel dazu wurde die Produktion hochgefahren. Bereits im Vorjahr kündigte dynaCERT an, die Fertigungskapazitäten deutlich auszubauen und die Produktion von HydraGEN™-Systemen auf größere Stückzahlen vorzubereiten. Hintergrund waren wiederholte Bestellungen aus dem Energie- und Rohstoffsektor sowie zunehmendes Interesse aus der Bergbauindustrie.
Interessant ist auch die internationale Expansion. Zuletzt meldete dynaCERT Fortschritte beim Markteintritt in Vietnam. Dort wurden strategische Partnerschaften geschlossen und Pilotprojekte gestartet. Die Gesellschaft versucht damit, ihre Technologie zunehmend außerhalb Nordamerikas zu positionieren. Gleichzeitig verstärkt dynaCERT seine Präsenz in Europa und adressiert Branchen wie Logistik, Hafenwirtschaft, Bauindustrie und Schwertransport. Gerade Europa verschärft die Emissionsvorgaben für Nutzfahrzeuge kontinuierlich. Lösungen, die ohne milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen sofort eingesetzt werden können, dürften dadurch an Attraktivität gewinnen.
Spannende Turnaround-Story
Natürlich bleibt die Aktie spekulativ. Der große kommerzielle Durchbruch steht noch aus. dynaCERT muss nun beweisen, dass die Technologie in großem Stil ausgerollt werden kann und die CO2-Zertifikatestrategie tatsächlich zu einem relevanten Umsatz- und Ergebnistreiber wird. Auch die Akzeptanz bei Flottenbetreibern und Industrieunternehmen bleibt ein entscheidender Faktor. Gerade deshalb könnte die Ausgangslage für risikobereite Anleger interessant sein. Während viele Börsianer Wasserstoffwerte längst abgeschrieben haben, arbeitet dynaCERT im Hintergrund an einer potenziell hochskalierbaren Kombination aus Emissionsreduktion, Kraftstoffeinsparung und CO2-Monetarisierung. Sollte das Unternehmen den operativen Nachweis liefern, dass sich dieses Modell großflächig durchsetzen lässt, könnte die derzeit noch überschaubare Bewertung schnell in einem anderen Licht erscheinen. Die Aktie besitzt aber das Potenzial für eine der spannendsten Turnaround-Storys im Wasserstoff- und Cleantech-Sektor.
2G Energy: Profiteur des KI-Booms
Was passieren kann, wenn eine Aktie mal anspringt, zeigte sich in den vergangenen Monaten bei 2G Energy. Das Papier lief über mehrere Jahre in einem Korridor zwischen 20 und 40 EUR mehr oder weniger seitwärts und brach im Frühjahr nach oben aus. Seither hat der deutsche Nebenwert um gut 75 % auf über 70 EUR zugelegt. Lange Zeit galt 2G Energy als Spezialist für Biogas-Anlagen. Inzwischen ist die Investmentstory deutlich größer geworden. Das Unternehmen profitiert von mehreren strukturellen Trends gleichzeitig: Energiewende, Dezentralisierung, Versorgungssicherheit und perspektivisch auch Wasserstoff. Viele der Anlagen sind bereits H₂-ready und damit für zukünftige Wasserstoffanwendungen vorbereitet. Das sorgt für Fantasie. Ein Kurstreiber waren auch die Wachstumsperspektiven rund um künstliche Intelligenz. Damit die neue Datenwelt überhaupt funktioniert, braucht es vor allem Strom, sehr viel Strom. Der weltweite Ausbau von Rechenzentren sorgt für einen regelrechten Energiehunger. Genau davon profitiert 2G Energy. Die Westfalen gehören zu den führenden Anbietern von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und dezentralen Energielösungen. Die Anlagen erzeugen Strom und Wärme direkt dort, wo sie benötigt werden. Das erhöht die Versorgungssicherheit und reduziert Netzabhängigkeiten.
Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte. 2G Energy erhielt einen Millionenauftrag für ein Rechenzentrumsprojekt in den USA. Gleichzeitig laufen Gespräche über weitere Projekte im unteren dreistelligen Megawattbereich. Damit öffnet sich für die Münsterländer ein völlig neuer Markt. Rechenzentren können häufig nicht auf den langwierigen Ausbau öffentlicher Stromnetze warten und suchen nach eigenen Lösungen zur Energieversorgung. An dieser Stelle kommen die Systeme von 2G ins Spiel. Besonders interessant sind dabei die Perspektiven in Nordamerika. Das Management berichtete zuletzt von Vorbestellungen im Umfang mehrerer hundert Megawatt. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass daraus in den kommenden Quartalen weitere Großaufträge entstehen könnten. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, dürfte die aktuelle Prognose eher konservativ wirken.
Mit Umsätzen von bis zu 490 Mio. EUR im laufenden Jahr und bis zu 620 Mio. EUR im Jahr 2027 wächst 2G inzwischen in neue Dimensionen hinein. Die Aktie ist längst kein Geheimtipp mehr, könnte aber angesichts der Dynamik im Rechenzentrumsmarkt noch immer vor einer Neubewertung stehen. Nach der rasanten Kursentwicklung der vergangenen Wochen könnten kurzfristig aber auch mal Rücksetzer drohen. Kurse unter 60 EUR wären für interessierte Investoren dann eine gute Einstiegsbasis.
SFC Energy: Profiteur des Verteidigungsbooms
Während dynaCERT die Effizienz bestehender Dieselmotoren verbessern will und 2G Energy die dezentrale Stromversorgung stärkt, sorgt SFC Energy dafür, dass kritische Systeme unabhängig vom Stromnetz betrieben werden können. Die Bayern entwickeln Brennstoffzellenlösungen auf Basis von Methanol und Wasserstoff. Die Systeme kommen überall dort zum Einsatz, wo eine sichere, mobile und netzunabhängige Energieversorgung benötigt wird. Dazu gehören Industrieanlagen, Behörden, Sicherheitsorganisationen und zunehmend auch militärische Anwendungen.
Der eigentliche Kurstreiber kam jedoch erst vor wenigen Wochen. SFC Energy gewann den größten Auftrag der Firmengeschichte. Im Rahmen einer von der Bundesregierung finanzierten Unterstützungsinitiative liefert das Unternehmen Brennstoffzellensysteme im Volumen von 42,7 Mio. EUR in die Ukraine. Die Order wird bereits im laufenden Jahr umsatz- und ergebniswirksam. Das Management erhöhte daraufhin die Prognose für 2026 deutlich. Der Umsatz soll nun zwischen 163 und 175 Mio. EUR liegen. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werden inzwischen 29 bis 34 Mio. EUR erwartet. Damit wächst SFC deutlich schneller und profitabler als bislang angenommen. Noch wichtiger ist jedoch die strategische Bedeutung des Auftrags. Verteidigung und öffentliche Sicherheit entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Wachstumsmarkt. Der Anteil dieser Bereiche am Konzernumsatz könnte nach Einschätzung des Managements mittelfristig auf rund 30 % steigen. Damit wird SFC Energy zu einem Profiteur der weltweit steigenden Verteidigungsbudgets.
Anders als viele klassische Wasserstoffunternehmen verdient SFC bereits heute gutes Geld. Die Gesellschaft wächst profitabel, verfügt über eine solide Bilanz und besetzt attraktive Nischenmärkte. Das macht die Aktie zu einer vergleichsweise konservativen Möglichkeit, vom Wasserstoff- und Verteidigungstrend zu profitieren.
Fazit
Nicht jede spannende Börsenstory spielt sich bei den großen Konzernen ab. Oft lohnt sich der Blick in die zweite Reihe. Genau dort finden Anleger derzeit mit dynaCERT, 2G Energy und SFC Energy drei Unternehmen, die auf ganz unterschiedliche Weise vom effizienteren Umgang mit Energie und damit von einem der wichtigsten Megatrends unserer Zeit profitieren. Die Kanadier setzen auf effizientere Verbrennungsmotoren, 2G Energy auf dezentrale Stromversorgung und SFC Energy auf netzunabhängige Brennstoffzellensysteme. Der steigende Energiebedarf und der Wunsch nach Versorgungssicherheit sowie die Dekarbonisierung spielen allen drei Firmen dabei in die Karten. Während die Aktien von 2G Energy und SFC Energy jüngst bereits ordentlich zugelegt haben, steht bei dynaCERT ein Ausbruch nach oben erst noch bevor. Der Titel ist deshalb in diesem Trio die spekulativste Turnaround-Wette mit dem größten Kurspotenzial.
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