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17.02.2026 | 05:20

Die Gelddruckmaschine Krebsforschung: Wie Bayer, Vidac Pharma und Pfizer Ihr Depot bereichern können

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Bildquelle: pixabay.com

Die Onkologie wird 2026 zum Härtetest für die Pharmaindustrie. Nie zuvor standen derart viele hochspezialisierte Wirkstoffe gleichzeitig vor der Markteinführung. Während Checkpoint-Hemmer und zielgerichtete Therapien die Behandlung revolutionieren, verschieben sich die Geschäftsmodelle von der Breitenwirkung hin zur Präzisionsmedizin. Doch die Realität bleibt komplex zwischen medizinischem Fortschritt, engen Patientengruppen und dem Druck auf Preise. Daher müssen Unternehmen neu justieren. Wie drei Akteure mit unterschiedlichen Strategien auf diesen Wandel reagieren, zeigen die aktuellen Entwicklungen bei Bayer, Vidac Pharma und Pfizer.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


    Bayer - Pharmastärke trifft auf juristische Nervosität

    Wer dieser Tage auf den Leverkusener Konzern blickt, sieht Bayer im Spannungsfeld zwischen operativer Erholung und anhaltender Rechtsunsicherheit. Die Aktie hat sich von ihren Tiefstständen deutlich gelöst, doch die Anleger bleiben vorsichtig. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Entscheidung des US Supreme Court zur Glyphosat-Thematik, die bis Juni erwartet wird. Dieses Urteil könnte eine richtungsweisende Wirkung für die Zukunft des Konzerns haben. Ein positiver Richterspruch könnte nicht nur die milliardenschweren Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten relativieren, sondern auch den Weg für eine nachhaltige Entschuldung freimachen.

    Das operative Herzstück von Bayer schlägt inzwischen wieder kräftiger. Die Pharmasparte präsentiert sich mit einem deutlich verjüngten Portfolio. Besonders in der Onkologie läuft es. Das Prostatakrebsmittel Nubeqa entwickelt sich zum Umsatztreiber und erhielt kürzlich eine weitere Zulassung in China. Auch Kerendia zeigt bei Nierenerkrankungen starke Wachstumsraten. Hinzu kommen vielversprechende Daten zum Schlaganfallmedikament Asundexian, das das Potenzial hat, den Behandlungsstandard neu zu definieren. Mit der Zelltherapie-Tochter BlueRock und Fortschritten in der Radiologie zeichnet sich zudem ab, dass die Pipeline breiter aufgestellt ist als lange Zeit angenommen.

    Während die Medikamentenentwicklung Fahrt aufnimmt, lastet die Agrarsparte weiter auf der Bilanz. Crop Science leidet unter einem schwachen Marktumfeld und regulatorischen Rückschlägen. Das umfassende Sparprogramm mit Stellenstreichungen soll bis Jahresende noch einmal 2 Mrd. EUR einsparen. Das ist ein notwendiger Schritt angesichts der hohen Verschuldung und der milliardenschweren Rückstellungen für die Glyphosat-Klagen. Die operative Konsolidierung schreitet voran, doch der finanzielle Spielraum bleibt eng. Für das laufende Jahr stellt der Konzern nur einen verhaltenen freien Cashflow in Aussicht. Derzeit ist die Aktie für 45,795 EUR zu haben.

    Vidac Pharma - verbreitert Pipeline

    Ein biopharmazeutisches Unternehmen, das lange im Schatten der großen Branchenplayer agierte, rückt derzeit strategisch in ein breiteres Licht. Vidac Pharma verfolgt einen Mechanismus, der nicht an einer einzelnen Krebsart ansetzt, sondern an einer grundlegenden Stoffwechselveränderung von krankhaft veränderten Zellen – bekannt als Warburg-Effekt. Die Idee dahinter ist das Enzym Hexokinase 2 (HK2) so zu beeinflussen, dass entartete Zellen ihren Stoffwechsel nicht länger auf Dauerstress stellen können. Was bislang vor allem in der Onkologie erprobt wurde, bekommt nun ein neues Fundament. Anfang Januar erhielt das Unternehmen dafür ein zentrales US-Patent vom USPTO, das die exklusive Vermarktung wichtiger Molekülkandidaten für bis zu zwei Jahrzehnte absichert. Damit hat man einen klaren Wettbewerbsvorteil im wichtigen amerikanischen Markt.

    Doch der interessantere Schritt folgte im Februar. Vidac gab den Start eines In-vivo-präklinischen Programms zur Behandlung von Psoriasis bekannt. Auf den ersten Blick mag das wie ein Themenwechsel wirken, doch die Logik dahinter ist nachvollziehbar. Auch bei Schuppenflechte findet sich eine Überexpression von HK2 in den betroffenen Hautzellen, ähnlich wie bei Tumorzellen. Die Folge sind überschießende Zellvermehrung und ein entzündliches Milieu. Genau hier setzt der Wirkmechanismus an und verspricht, sowohl die Zellproliferation zu bremsen als auch die Entzündung zu beruhigen. Durchgeführt werden die Tests von PharmaLegacy, einer spezialisierten Auftragsforschungsorganisation, was das Risiko für das Unternehmen überschaubar hält. Es ist der erste Beleg dafür, dass die Technologieplattform über die Krebsforschung hinaus wirken könnte.

    Parallel zu den operativen Fortschritten gab es im Januar Bewegung auf Eigentümerebene, die manche Anleger stutzig machen könnte. CEO Dr. Max Herzberg veräußerte persönlich Aktien im Wert eines mittleren fünfstelligen EUR-Betrags. Solche Insiderverkäufe lösen oft Unbehagen aus, doch der Kontext relativiert den Vorgang. Bereits im Dezember hatte das Management angekündigt, den Streubesitz gezielt erhöhen zu wollen, um die Liquidität der Aktie zu verbessern. Die Nettoerlöse sollen nach Firmenangaben wieder in das Unternehmen fließen, um die klinischen Programme zu beschleunigen. Aktuell notiert die Aktie bei 0,692 EUR.

    Pfizer - zwischen Patentausläufen und milliardenschwerer Pipeline

    Der Pharmariese Pfizer durchläuft derzeit eine Phase der Konsolidierung. Die Zeiten der pandemiebedingten Umsatzrekorde sind vorbei, und der Konzern arbeitet mit Hochdruck daran, sich als breit aufgestelltes Innovationshaus neu zu erfinden. Die aktuellen Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Während die Erlöse mit den Covid-Produkten Comirnaty und Paxlovid erwartungsgemäß einbrechen, präsentiert sich das Kerngeschäft stabil. Bereinigt um diese beiden Sondereffekte legte der Umsatz im Gesamtjahr 2025 sogar zu. Besonders gefragt waren das Herzmedikament Eliquis und Onkologie-Produkte. Doch der Ausblick für 2026 fällt verhalten aus. Der Konzern rechnet mit Umsätzen auf Vorjahresniveau oder leicht darunter und einem leichten Rückgang beim Gewinn je Aktie.

    Während der Markt gespannt auf den milliardenschweren Vorstoß in die Adipositas-Therapie blickt, arbeitet Pfizer parallel mit Nachdruck am Ausbau seines Onkologie-Portfolios. Die teure Übernahme des Spezialisten Seagen vor einigen Jahren zahlt sich hier langsam aus. Die integrierten Krebsmedikamente, darunter das Mittel Padcev, entwickeln sich zu wichtigen Umsatzträgern und wachsen zweistellig. Außerdem treibt der Konzern die Entwicklung neuer Wirkstoffe voran, die als potenzielle Nachfolger etablierter Immuntherapien gehandelt werden. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll allein mit den erworbenen Krebsmitteln ein Umsatz von 10 Mrd. USD erzielt werden.

    Aus Investorensicht bietet sich derzeit ein durchwachsenes Bild. Einerseits ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im einstelligen Bereich moderat bewertet und lockt mit einer Dividendenrendite von über 6 %. Andererseits lasten die Risiken der kommenden Jahre auf dem Kurs. Neben den unmittelbaren Patentausläufen bleibt der Erfolg in der Adipositas-Forschung die große Unbekannte. Zwar liegen erste positive Daten für das wöchentliche oder monatliche Spritzen-Schema vor, doch die entscheidenden Phase-III-Studien starten 2026 und der Markteintritt wird frühestens 2028 erwartet. Bis dahin muss das etablierte Geschäft die Lücke füllen. Momentan kostet eine Aktie 27,58 USD.


    Die Onkologie bleibt der spannendste Wachstumsmotor der Pharmabranche, doch 2026 zeigt sich, dass nur strategisch klar positionierte Unternehmen im Portfolio der Anleger langfristig glänzen werden. Bayer beweist mit starker Pipeline operative Stärke, bleibt aber ein Hochrisikospiel durch den juristischen Albtraum Glyphosat. Vidac Pharma wiederum schafft den cleveren Spagat von der Nischen-Onkologie hin zu einem breiter wirksamen Plattformanbieter, abgesichert durch ein frisches Patent. Und Pfizer? Der Branchenriese balanciert zwischen massiven Patentausläufen und milliardenschweren Hoffnungsträgern.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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