09.10.2026 | 05:00
HPQ Silicon, Rheinmetall und Wacker Chemie: Silizium-Akkus für das französische Militär?
Die Digitalisierung hält auch in der Rüstung Einzug. Das zeigen nicht zuletzt die Entwicklungen in der Ukraine. Moderne Kommunikationsgeräte, vernetzte Gefechtsführung und ständige Datenströme treiben den Stromverbrauch selbst bei der Infanterie immer weiter nach oben. Bisherige Batterien auf Graphitbasis stoßen dabei an ihre Grenzen, zugleich schränkt jedes zusätzliche Gramm Ausrüstung die Mobilität im Feld ein. Die Umstellung auf siliziumbasierte Anoden verspricht längere Einsatzzeiten ohne zusätzliches Tragegewicht. Wir werfen einen Blick auf die Entwicklung und zeigen Chancen für Anleger auf.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , WACKER CHEMIE O.N. | DE000WCH8881
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Rheinmetall: Wachstum und Innovationsdruck
Als führender Rüstungskonzern bestimmt Rheinmetall das Tempo der europäischen Aufrüstung. Mit einem Börsenwert von über 46 Mrd. EUR (Stand: Oktober 2026) und Großaufträgen wie dem 5,7 Mrd. EUR schweren Paket aus Rumänien, das unter anderem 298 Lynx-Fahrzeuge umfasst, setzt das Unternehmen Maßstäbe für die gesamte Branche. Über das Soldatensystem Gladius 2.0 bindet der Konzern den einzelnen Infanteristen mittels des Battle Management Systems TacNet Soldier nahtlos in das digitale Netzwerk ein. Dabei übernimmt ein Smart HUB sowohl das Daten- als auch das Energiemanagement, zentrale Batterien versorgen die angeschlossenen Geräte. Je mehr Sensoren, Displays und Funkgeräte ein Soldat am Körper trägt, desto wichtiger wird die Kapazität dieser Energiespeicher. Leistungsfähigere Akkus bei gleichem Gewicht wären für Systemintegratoren wie Rheinmetall deshalb ein naheliegender Hebel.
Wacker Chemie: Rohstoffhoheit für Europa
Die Abhängigkeit westlicher Lieferketten von Batterie-Graphit aus Asien bereitet der europäischen Industrie Sorgen. Der Münchner Chemiekonzern Wacker Chemie setzt deshalb auf Silizium als Anodenmaterial. Bereits 2019 erwarb Wacker Chemie einen Anteil von 25 % am britischen Anodenspezialisten Nexeon. Nach Angaben von Nexeon lässt sich das dort entwickelte Material direkt in bestehende Produktionslinien integrieren. Wie wichtig die Technologie für die britische Industriepolitik ist, zeigt eine Finanzierungsrunde über 100 Mio. GBP, die der staatliche National Wealth Fund im August 2026 mit 52,6 Mio. GBP abschloss. Wacker selbst produziert Siliziummetall unter anderem im norwegischen Holla, Nexeon fertigt Anodenmaterial im südkoreanischen Gunsan. Damit gehört der Konzern zu den Akteuren, die eine westliche Batterie-Lieferkette auf Siliziumbasis mit aufbauen.
HPQ Silicon vor Härtetest: Doppelte Energie fürs Militär
Einen wichtigen Fortschritt bei einsatzfähigen Siliziumzellen meldet das kanadische Technologieunternehmen HPQ Silicon. Anfang Oktober meldete HPQ Silicon, dass Novacium im dritten Quartal 2026 eine erste Charge von Prototyp-Batterien an die Technische Sektion des französischen Heeres (STAT) geliefert hat. Den Entwicklungsauftrag hatte die Armee Ende Juni 2026 erteilt. Die neuen Speicherpacks verdoppeln den Energieinhalt von bisher 72 Wh auf 144 Wh. HPQ Silicon hält einen Anteil von 36,8 % an dem französischen Entwickler Novacium und besitzt zudem die exklusiven Vermarktungsrechte für Nordamerika.
Novacium wechselte vom traditionellen 18650-Format auf größere 21700-Zellen und kombinierte diese mit der proprietären GEN3-Silizium-Anodentechnologie. Diese Packs erreichen eine gravimetrische Energiedichte von 261 Wh/kg, was einer Steigerung von 63 % gegenüber den bisher genutzten 160 Wh/kg entspricht. Die Abmessungen (42,6 × 98,63 × 74,35 mm) und das Gewicht (551 g) ändern sich nur geringfügig. Ein angepasstes Batteriemanagementsystem und ein zum Patent angemeldetes Gehäuse sollen sicherstellen, dass die Batterie mit den vorhandenen Steckverbindern und Ladegeräten kompatibel bleibt. Ältere Labortests zeigen zudem die Zyklenfestigkeit des GEN3-Materials: 18650-Zellen erreichten über 1.000 Ladezyklen und behielten dabei rund 80 % ihrer Kapazität.

HPQ Silicon: Expansion in den Drohnensektor
Parallel zum Heeresprojekt treibt HPQ Silicon die Kommerzialisierung auch bei Drohnen voran. Im August 2026 erhielten HPQ Silicon und Novacium über LN Innov ihren ersten Auftrag aus dem Verteidigungsbereich: GEN3-Batteriepacks für FPV-Drohnen eines französischen Regiments. Ende August folgten dreißig maßgeschneiderte Batteriepacks für drei europäische Drohnenhersteller zur finalen Evaluierung. Im September kam eine Bestellung über mehr als 100 Batteriepacks für die Abfangdrohne X-Lock des französischen Herstellers Alta Ares hinzu. Bereits im April 2026 hatte ein semi-solides Drohnen-Akkupack mit GEN4-Material in internen Tests 395 Wh/kg erreicht. Einzelne GEN4-Zellen im 21700-Format kamen unter Standardbedingungen auf durchschnittlich über 6.600 mAh, die beste Zelle auf 6.696 mAh. Unter Standardbedingungen soll die nächste Generation GEN5 bis 2027 rund 7.000 mAh erreichen. Unter erweiterten Testbedingungen hat HPQ diese Marke bereits überschritten.
Neben dem Batteriesektor treibt HPQ Silicon weitere Initiativen voran: Gemeinsam mit PyroGenesis entwickelt das Unternehmen den PUREVAP-Reaktor zur emissionsarmen Produktion von hochreinem Silizium sowie einen Reaktor zur Herstellung pyrogener Kieselsäure. Hinzu kommt eine Technologie zur autonomen Wasserstofferzeugung, die HPQ gemeinsam mit Novacium entwickelt.
HPQ Silicon: Feldtest wird Potenzial zeigen
Die Eckdaten der neuen Speichergeneration versprechen Nutzern im Militär Vorteile. Fällt die Rückmeldung der Truppe positiv aus, könnte das Programm laut HPQ eine Grundlage für Angebote an weitere verbündete Streitkräfte sein. Offen bleibt, wie sich die Silizium-Zellen unter Einsatzbedingungen bewähren, etwa bei großer Hitze, starker Kälte und schnellen Temperaturwechseln. Gerade solche Belastungen setzen dem Silizium in der Anode zu. Die Laborwerte sind vielversprechend. Entscheidend wird nun, wie die Batterien im Einsatz abschneiden.
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