03.11.2026 | 05:29
Kinross, Lahontan Gold, Agnico Eagle – Gold stürzt ab, Nevadas Minen rücken in den Fokus
Der Goldpreis erlebt aktuell einen brutalen Rückschlag. Am Freitag rutschte die Feinunze unter 3.900 USD und damit auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Gegenüber dem Rekordhoch vom Januar hat das Edelmetall rund 30 % verloren. Steigende Zinserwartungen und Verkaufsdruck an den Aktienmärkten belasten die Notierungen. Für Goldminenunternehmen verändert sich damit die Rechnung. Während etablierte Produzenten weiterhin hohe Mittelzuflüsse erwirtschaften, müssen Entwickler beweisen, dass ihre Projekte auch bei niedrigeren Preisen attraktiv bleiben.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Lahontan Gold Corp | CA50732M1014 , CA4969024047 , AGNICO EAGLE MINES LTD. | CA0084741085
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Der Autor
Stefan Feulner
Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.
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Kinross Gold – Weniger Gold, mehr Gewinn
Weniger Gold gefördert, deutlich höhere Gewinne erzielt, so kann man die aktuelle Situation bei Kinross Gold beschreiben. Der kanadische Minenkonzern produzierte im dritten Quartal 424.693 Goldäquivalent-Unzen, rund 16 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem erreichte der bereinigte Nettogewinn 591,3 Mio. USD. Der operative Cashflow belief sich auf 714,4 Mio. USD.
Der Grund ist die enorme Preisdynamik am Goldmarkt. Selbst nach der jüngsten Korrektur notiert das Edelmetall auf einem Niveau, das etablierten Produzenten beträchtliche Margen ermöglicht. Allerdings steigen auch die Kosten. Kinross musste im dritten Quartal Produktionskosten von 1.502 USD je verkaufter Goldäquivalent-Unze verkraften. Die nachhaltigen Gesamtkosten lagen sogar bei 1.947 USD.
An der Börse gehen die Meinungen deshalb auseinander. Stifel bekräftigte am 29. Oktober seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 43 USD. Scotiabank sieht die Aktie ebenfalls positiv und nennt 39 USD. Die Bank of America bleibt dagegen skeptisch und reduzierte ihr Kursziel von 32 auf 25 USD.
Kinross selbst richtet den Blick längst auf die nächsten Produktionsjahre. Beim Erweiterungsprojekt Phase X der Round-Mountain-Mine in Nevada liegt der Untertagebau rund 8 % vor dem Zeitplan. Mehr als 9.600 m wurden bereits aufgefahren. Die erste Produktion ist für 2028 vorgesehen.
Auch bei Bald Mountain gibt es Fortschritte. Anfang Oktober wurde erstmals Gold aus dem neuen Redbird-Abbaugebiet gewonnen.
Die starke Bilanz erlaubt gleichzeitig höhere Ausschüttungen. Kinross will 2026 die Hälfte seines freien Cashflows an die Aktionäre zurückgeben. Seit April 2025 hat der Konzern bereits rund 5 % seiner ausstehenden Aktien zurückgekauft.
Lahontan Gold – 820 Millionen USD: Nevadas historische Mine vor dem Neustart
Zwischen 1988 und 1995 wurden auf dem Santa-Fe-Gelände in Nevada bereits 359.202 Unzen Gold und mehr als 702.000 Unzen Silber gewonnen, bevor der Betrieb eingestellt wurde. Drei Jahrzehnte später arbeitet Lahontan Gold daran, den historischen Minenstandort wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die jüngste Wirtschaftlichkeitsstudie liefert dafür bemerkenswerte Zahlen.
Bei einem angenommenen Goldpreis von 3.600 USD und einem Silberpreis von 49 USD je Unze errechnet sich für Santa Fe ein Kapitalwert nach Steuern von 820 Mio. USD. Die interne Verzinsung liegt bei 40,1 %. Über eine geplante Minenlaufzeit von elf Jahren könnte das Projekt durchschnittlich 91.900 Goldäquivalent-Unzen jährlich produzieren. Die anfänglichen Investitionen werden auf 172 Mio. USD geschätzt.
Interessant ist diese Rechnung gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Goldpreiskorrektur. Obwohl das Edelmetall deutlich von seinen Höchstständen zurückgefallen ist, lag der Preis je t weiterhin deutlich oberhalb der in der Studie verwendeten Goldpreisannahme. Allerdings sind die Ergebnisse vorläufig und hängen neben den Metallpreisen auch von Baukosten, Genehmigungen und der tatsächlichen Förderung ab.
Lahontan arbeitet unterdessen daran, die geologische Datenbasis weiter auszubauen. Am 27. Oktober meldete das Unternehmen insgesamt 13.334 Bohrmeter aus dem laufenden Jahr, verteilt auf Santa Fe und West Santa Fe. Ergebnisse aus mehr als 100 Bohrlöchern stehen noch aus. Dazu gehören Untersuchungen historischer Halden und Laugungsflächen, die zusätzliche wirtschaftlich nutzbare Mineralisierung nachweisen könnten.
Bereits dokumentiert sind angezeigte Ressourcen von 1,195 Mio. sowie vermutete Ressourcen von 1,190 Mio. Goldäquivalent-Unzen.
Für 2027 strebt Lahontan den Beginn der Bauarbeiten an. Die ausstehenden Bohrergebnisse und die weitere Genehmigungsarbeit könnten wichtige Grundlagen für die geplante Wiederaufnahme der Goldproduktion schaffen. Aufgrund der allgemeinen Goldpreiskorrektur verlor die Lahontan-Aktie im Vergleich zum Jahreshoch bei 0,52 CAD annähernd die Hälfte ihres Wertes und notiert aktuell bei 0,27 CAD auf einer breiten Unterstützungszone.
Agnico Eagle – Milliarden auf dem Konto
3,6 Mrd. USD an liquiden Mitteln, ein freier Cashflow von 852 Mio. USD innerhalb von nur drei Monaten und eine Produktion von 814.012 Unzen Gold. Agnico Eagle hat sich eine finanzielle Ausgangslage geschaffen, von der viele Minenunternehmen nur träumen können. Selbst die jüngste Korrektur des Goldpreises ändert zunächst wenig daran, dass der kanadische Konzern erhebliche Mittel für Investitionen und weiteres Wachstum erwirtschaftet.
Dies zeigt auch ein Blick auf die Kosten. Im dritten Quartal lagen die nachhaltigen Gesamtkosten bei 1.648 USD je Unze. Gleichzeitig erzielte Agnico Eagle einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 4.264 USD. Die Differenz von mehr als 2.600 USD verdeutlicht die hohe operative Ertragskraft, auch wenn daraus noch Steuern, weitere Aufwendungen und Investitionen zu finanzieren sind.
Die Analysten honorieren diese Positionierung überwiegend. Stifel bestätigte am 29. Oktober seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 222 USD. Die Bank of America reduzierte ihr Ziel zwar von 240 auf 233 USD, blieb aber bei „Buy“. J.P. Morgan erhöhte am 30. Oktober das Kursziel von 190 auf 193 USD und hielt an der neutralen Einschätzung fest.
Der Konzern betreibt Minen in Kanada, Australien, Finnland und Mexiko. Gleichzeitig investiert er in neue Fördermöglichkeiten, darunter die Projekte Hope Bay und Upper Beaver. Solche Vorhaben sollen die langfristige Produktionsbasis absichern und zusätzliche Ressourcen erschließen.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management weiterhin eine Förderung von 3,3 bis 3,5 Mio. Unzen Gold, inzwischen allerdings eher am unteren Ende der Spanne. Auch bei den Kosten zeichnet sich eine Entwicklung zum oberen Rand der bisherigen Prognose ab.
Fazit
Die Goldpreiskorrektur stellt die Minenbranche auf die Probe. Kinross verdient weiterhin kräftig und investiert in seine Nevada-Projekte. Agnico Eagle kann dank hoher Cashflows und Milliardenreserven den Ausbau seiner Produktion vorantreiben. Lahontan Gold steht vor einem anderen Entwicklungsschritt: Die neue Santa-Fe-Studie zeigt bei einem Goldpreis von 3.600 USD ein vielversprechendes wirtschaftliches Szenario. Mit weiteren Bohrergebnissen und den geplanten Genehmigungsschritten könnte das historische Minenprojekt 2027 entscheidend vorankommen.
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