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22.03.2022 | 04:44

NEL, dynaCERT, Plug Power, Ballard Power – Öl & Gas unendlich teuer, wo bleiben die Wasserstoff-Aktien?

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  • Klimawende
Bildquelle: pixabay.com

Was für ein Drama um Öl und Gas! Es war eine Bewegung mit Ansage. Mittlerweile handelt man die fossilen Energieträger so als würde jegliche Quelle demnächst versiegen. Analysten sehen aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine die Gefahr einer starken Angebotsverknappung von Öl und Gas, sofern die westlichen Staaten ein Embargo gegen die russischen Öl- und Gas-Lieferungen verhängen. Besonders Europa dürfte darunter leiden, weil die Abhängigkeiten vom Osten sehr groß sind. Um die Versorgung sicherzustellen, hofft man auf eine OPEC-Förderanpassung, die aber wohl noch nicht politischer Konsens ist. Seit drei Wochen wieder stark im Fokus sind Konzepte für die alternative Energiegewinnung. Ein Wunschthema aller Politiker bleibt die Beschleunigung der Wasserstoff-Technologie. Wie ist der aktuelle Stand?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , BALLARD PWR SYS | CA0585861085

Inhaltsverzeichnis:


    Plug Power – Die Krise verleiht Rückenwind

    Der Trendverstärker für die Wasserstoffaktien kam diesmal aus dem Osten, denn der kriegerische Konflikt lenkte den Blick wieder auf alternative Energiekonzepte. Zwar kann der Wasserstoff mittelfristige Lösungen bieten, aktuell ist er in der Erzeugung aber noch technologisch zu teuer. Dennoch: Für die Aktie des Platzhirschen Plug Power konnte es besser nicht laufen.
    Die kürzlich vermeldeten Zahlen lagen im Rahmen der Schätzungen. Der Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Spezialist hat im Gesamtjahr 2021 erwartungsgemäß den größten Jahresumsatz in der Unternehmensgeschichte erzielt. Zwar ergibt sich per Saldo noch ein Nettoverlust, Plug Power sieht sich aber auf gutem Weg, schon im Jahr 2023 die Gewinnschwelle zu erreichen. Zudem hat das Unternehmen auch die Umsatzziele für die Jahre 2022 bis 2025 bestätigt.

    Für das Gesamtjahr 2021 meldet Plug Power einen Umsatz von 503 Mio. USD, der Nettoverlust hat sich allerdings nur leicht auf 460 Mio. USD reduziert, nach einem stattlichen Minus von 596 Mio. USD im Geschäftsjahr 2020. Unterstützt wurde die Entwicklung im Jahr 2021 durch eine Reihe von Partnerschaften und strategischen Akquisitionen, durch die sich Plug Power als Spezialist für Wasserstoff-Ökosysteme weiter positionieren konnte. Dazu gehören unter anderem die Joint Ventures mit SK, Acciona und Renault sowie Partnerschaften mit Unternehmen wie Airbus, Lhyfe und Phillips 66. Bis zum Jahr 2024 rechnet das Unternehmen damit, dass der Kraftstoffsektor erstmals Cashflow generiert und sich den ausgegebenen Margenzielen nähert.

    Der PLUG-Aktienkurs konnte am Doppeltief zum Mai 2021 bei rund 16,50 EUR wieder dynamisch eindrehen und eroberte schnell die 23 EUR-Marke zurück. Das ist immerhin ein Rebound von fast 40% in nur zwei Wochen. Bei 24,5 EUR lauert jetzt eine Widerstandszone, die nochmal zu einem größeren Rücksetzer führen könnte.

    dynaCERT – Jetzt ist die Umrüstzeit für die Dieselmotoren

    Wenn nicht jetzt, wann dann? Die weltweite Öl-Knappheit hat den Preis für ein Barrel Brent bis auf 135 USD explodieren lassen. Noch schlimmer ging es an der Tankstelle mit den Dieselpreisen nach oben. Das sollte der Technologie von dynaCERT voll in die Karten spielen. In etwa 10% Treibstoff lassen sich mit der Zuschaltung der dynaCERT-Wasserstofftechnologie sparen und die Verbrennung läuft zudem deutlich sauberer ab. Die erforderlichen Umrüstkosten für einen LKW erscheinen durch die chaotischen Preisverhältnisse bei Kraftstoffen heute in einem ganz neuen Licht. Vor allem öffentliche Einrichtungen sollten jetzt ihre Nachhaltigkeits-Budgets sinnvoll einsetzen.

    Das kanadische Unternehmen produziert und vertreibt Technologien zur Verringerung von Kohlenstoffemissionen. Sie ist für den Einsatz in vielen Arten und Größen von Dieselmotoren konzipiert, die in Straßenfahrzeugen, Kühlanhängern, Off-Road-Bauwerken, Stromerzeugungsanlagen, Bergbau- und Forstmaschinen zum Einsatz kommen. dynaCERT hat sich als einer der Vorreiter sehr früh mit den Vorteilen der Wasserstoff-Technologie befasst und verfügt jetzt über ein ausgereiftes Produkt. Wenn aufgrund der aktuellen Weltenenergieknappheit die Auftragseingänge explodieren, dürfte man mit dem Ausliefern nicht mehr nachkommen.

    Die DYA-Aktie hat im März bereits gut 25% ansteigen können, auch die Umsätze ziehen wieder an. Aufgrund des aktuellen Runs wird es in den nächsten Zahlen wohl Erlössteigerungen zu berichten geben. Zudem dürfte es charttechnisch über der 0,22 CAD-Marke richtig zur Sache gehen, denn die Klima-Konferenz von Glasgow jagte den Kurs im November 2021 genau an dieser Marke schon mal ganze 100% nach oben. Risikobewusste Anleger bauen jetzt spekulative Positionen auf.

    NEL versus Ballard Power – Kaum Umsätze, aber viel Phantasie

    Man sollte als Anleger seit dem Zusammenbruch des 2021er-Wasserstoff-Hypes klar zwischen fundamentalen Wachstumszahlen und momentumgetriebenen Aufwärtsschüben unterscheiden. Die Aktien von Nel ASA und Ballard Power erreichten Mitte Februar 2022 ihre Verlaufstiefs der letzten 12 Monate. Durch die Veröffentlichung der verhaltenen Jahreszahlen 2021 hat die Realität die vorangegangene Euphorie letztlich vom Tisch gewischt.

    Die Zahlen von Nel waren mehr als ernüchternd. Bei einem Umsatz von 798 nach 652 Mio. NOK verbleibt ein operativer Verlust (EBITDA) von 475 nach 252 Mio. NOK. Alle Forschungsaufwendungen eingerechnet, errechnet sich unter dem Strich sogar ein Nettoverlust von 1,67 Mrd. NOK oder umgerechnet 168 Mio. EUR. Nels Auftragsbestand befindet sich mit 1,23 Mrd. NOK Ende 2021 allerdings unverändert auf einem Rekordniveau. Einen konkreten Ausblick auf 2022 formulierte das Unternehmen nicht. Bei Ballard Power liest sich das Ergebnis nicht viel besser. Auf der Umsatzseite standen 133,5 Mio. CAD in den Büchern, nach 130,6 Mio. CAD im Vorjahr. Da kann man eigentlich nicht von Wachstum sprechen. Und auch das Ergebnis je Aktie fiel für das Gesamtjahr mit -0,498 CAD negativ aus, der Verlust verdoppelte sich sogar zu 2020.

    Kein Problem für die Kurse von Nel und Ballard, denn die Analystengemeinde war teilweise von noch schlimmeren Zahlen ausgegangen. Zusammen mit dem Rückenwind der aktuellen fossilen Energie-Krise ging es dann seit Kriegsbeginn bei beiden Werten ziemlich zur Sache. Nel schoss den Vogel mit +75% in nur zwei Wochen ab, Ballard konnte immerhin ganze 40% zulegen.

    Damit scheint belegt zu sein: Veröffentlichte Zahlen schocken nur kurzfristig – langfristig zählt einfach die Phantasie und die erscheint bei Wasserstoff nun mal in den buntesten Farben. Reiten sie den Trend, aber steigen sie aus, wenn das Momentum nachlässt, denn dann geht es vermutlich wieder schnell Richtung Süden.


    Die Wasserstoff-Branche setzt ihre gewohnte Achterbahnfahrt fort. Die Anlegergemeinde lernt aber in Zyklen zu denken. Und nach dem Hype ist vor dem Absturz. Also Vorsicht an der Bahnsteigkante, wenn das aktuelle Momentum bei den H2-Blockbustern nachlässt. Der Spezialtitel dynaCERT eignet sich auf aktuellem Niveau zur spekulativen Beimischung.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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