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24.01.2022 | 04:44

NEL, dynaCERT, Plug Power – Wasserstoff: Zuerst der Crash, nun der Rebound?

  • Wasserstoff
  • Technologie
  • E-Mobilität
Bildquelle: pixabay.com

Elon Musk gilt seit 2021 als absoluter Star an der Börse. Erst Paypal, danach Tesla und später SpaceX. Er ist genialer Unternehmer mit nahezu hellseherischen Fähigkeiten was zukünftige Megatrends anbelangt. Denn was er anfasst, wird über Nacht zu einem vielbeachteten Thema. Den Hype um Wasserstoff belächelt er allerdings. Denn er gehört zu den lautesten Kritikern dieser Technologie. Dazu hat er es wiederholt als „dumm“ bezeichnet, mit elektrischem Strom Wasserstoff herzustellen, um damit eine Brennstoffzelle zu betreiben, die dann wiederum elektrischen Strom erzeugt. Die Brennstoffzellen sind in seinen Augen „Dummkopfzellen“. Warum haben H2-Werte an der Börse doch ihre Relevanz?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA – Diese Korrektur war absehbar

    Ob Elon Musk recht hat oder nicht, ist für den Börsenerfolg von Nel ASA nicht entscheidend. Denn die Industriestaaten weltweit haben in der Klimakonferenz in Glasgow 2021 auch dem Wasserstoff eine gewichtige Rolle im Klimaschutzprogramm zugewiesen. Hierbei wird nicht nur die Mobilität betrachtet, sondern ein ganzer Komplex an verschiedensten Anwendungen von der Energieerzeugung, über die Speicherung bis hin zu industriellen Substitutionen. Grüner Wasserstoff hat sich als Forschungsgebiet mittlerweile etabliert und tastete sich schrittweise nach vorne. Ohne die Budgets von Regierungen geht es allerdings noch nicht, aber auch diesen Punkt hat die E-Mobilität als Argument im Rücken.

    Der Aktienkurs des norwegischen Wasserstoff-Unternehmens Nel ASA verlor an der Euronext Oslo in den letzten acht Wochen vom erreichten Hoch bei 20 NOK stark bis in den Bereich der 12 NOK-Marke. In Euro gesprochen bedeutet dies ein Rückgang von ganzen 37% von rund 2,02 auf 1,28 EUR. Schon das Börsenjahr 2021 war für Nel ASA ein Desaster mit einer glatten Kurshalbierung. Ist nun die Zeit für einen Rebound gekommen?

    Europa plant bis 2030 den Ausbau seiner Elektrolysekapazitäten in Sachen „Grüner Wasserstoff“ auf die Zielgröße von 40 Gigawatt. Momentan können die Norweger pro Jahr Elektrolyseure mit einer Gesamtleistung von etwa 40 Megawatt produzieren, also nur ein Promille der von der EU definierten Leistung. Investitionen vorausgesetzt, könnte Nel also zukünftig einen ordentlichen Anteil für sich verbuchen. Damit wären die Segel gesetzt.

    Der Nel-Kurs befindet sich mit 1,28 EUR nun in einer entscheidenden Zone. Hält dieser Bereich, so könnte eine schnelle technische Aufwärtsbewegung Richtung 1,60 bis 1,80 EUR folgen. Sollte der Preis weiter rutschen, ist eine finale Auffangzone bei etwa 0,80 – 1,00 EUR zu identifizieren. Bleiben Sie geduldig an der Außenlinie, solang technisch hier noch keine Entscheidung gefallen ist. Laut unserer letzten Empfehlung sind Sie bereits seit 1,80 EUR ausgestoppt und können getrost abwarten.

    dynaCERT – Mit der Zertifizierung zu neuen Ufern

    Der rasante Anstieg der CO2-Zertifikatspreise spielt dynaCERT voll in die Karten. Das kanadische Unternehmen produziert und vertreibt Technologien zur Verringerung von Kohlenstoffemissionen in Kombination mit der firmeneigenen HydraLytica-Telematiksoftware. Mit dieser Technologie zur Dokumentation und Überwachung des Kraftstoffverbrauchs werden THG-Emissionseinsparungen für den Nachweis bei Behörden gespeichert. Dies dient der Erlangung von möglichen zukünftigen Kohlenstoffgutschriften bei der Verwendung von herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

    Als Teil der weltweit wachsenden Wasserstoffwirtschaft erzeugt die patentierte Technologie des Unternehmens durch ein einzigartiges Elektrolysesystem Wasserstoff und Sauerstoff auf Abruf und führt diese Gase durch den Lufteinlass in die Verbrennungskammer zu, um die Verbrennung zu optimieren, was nachweislich die Kohlenstoffemissionen senkt und die Kraftstoffeffizienz verbessert. Die Technologie des Unternehmens ist für den Einsatz in vielen Arten und Größen von Dieselmotoren konzipiert, die in Straßenfahrzeugen, Kühlanhängern, Off-Road-Bauwerken, Stromerzeugungsanlagen, Bergbau- und Forstmaschinen zum Einsatz kommen.

    Die DYA-Aktie schwankt derzeit mit jedem Fortschritt ihres VCS-Programms von Verra, einem weltweit führenden Unternehmen für die Entwicklung und Verwaltung von Standards für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz im Privatsektor. Unabhängige Sachverständige führen gerade den VVB-Audit durch. Wenn alles glatt geht, können wir einige neue Umsatzmeldungen erwarten. Und sollte dann auch noch der Branchentrend endlich wieder drehen, dürfte die DYA-Aktie nicht mehr bei 0,20 CAD stehen. Die Klima-Konferenz von Glasgow jagte den Kurs bereits schon mal ganze 100% nach oben. Die Aktie ist ein heißes Eisen – schauen Sie genau hin!

    Plug Power – An einer sehr wichtigen Grenze

    Der Verfall der Plug Power-Aktie hat sich seit langem angedeutet, wir berichteten regelmäßig. Nun lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Plug Power hatte Anfang 2021 bilanzielle Bewertungs-Ansätze korrigieren müssen und konnte erst gegen September wieder so richtig Fuß fassen. Bis zur Klimakonferenz konnte sich der Wert dann schon wieder verdoppeln. Wie gewonnen, so zerronnen. Die aktuelle Sektor-Korrektur schickte den Wert wieder auf die Startlinie bei 20 USD zurück. Der Jahresverlust 2021 addierte sich auf fast -60%, zu Jahresbeginn sind es auch schon wieder gut 20% Abschlag.

    Obwohl Wasserstoffaktien im vergangenen Jahr deutlich schlechter performten als der Gesamtmarkt, sehen Großbanken wie JPMorgan in diesem Segment weiterhin langfristige Investitionsmöglichkeiten. Grund dafür ist die Tatsache, dass Wasserstoff einen immer wichtigeren Stellenwert im Energiemix der Staaten spielt, so wurde es auch in Glasgow verabschiedet. Bereits 26 Länder haben infolge der Beschlüsse eine nationale Wasserstoffstrategie ausgerufen. Europa als Netto-Energie-Importeur gilt als Treiber dieser Zukunftstechnologie, die den Kontinent autarker aufstellen soll.

    Freilich ist der Weg zu günstigem grünem Wasserstoff noch weit, die gute Skalierbarkeit sowie der technologische Fortschritt könnte diese Energieform aber in 10 bis 15 Jahren profitabel machen. Insgesamt sehen Analysten für Plug Power einen potenziellen Markt in Höhe von mehr als 200 Mrd. USD. Expertenschätzungen attestieren dem Unternehmen selbst bis 2025 einen Umsatz von 3 Mrd. USD bei einem EBITDA von 600 Mio. USD. Das aktuell negative KGV würde dann auf rund 40 absinken, derzeit bezahlt die Börse mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 25 einen deutlichen Zukunftsbonus. Charttechnisch ist für die Plug Power-Aktie die Zone 18,50 bis 21,50 USD wirklich lebenswichtig. Wenn sie bricht, geht es sehr tief. Beobachten!


    Die Wasserstoff-Branche versucht den technischen Rebound, der Abwärtsdruck ist aber immer noch gewaltig. Wir bleiben an der Seitenlinie und beobachten die Standardwerte Nel ASA und Plug Power sehr genau. Chancenreich bleibt bei erfolgreicher Zertifizierung auch der Spezialtitel dynaCERT.


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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