15.01.2026 | 04:30
Silber, Gold, Kupfer und Uran - Stoffe aus dem die Träume sind! Nel ASA, American Atomics und Siemens Energy im Fokus
Zum Jahresauftakt können Rohstoffe abermals durchstarten. Da sie als Grundstoffe für die Industrie, die Energieverteilung und die E-Mobilität unersetzlich sind, beschleunigen die hohen Preise auch die Inflation westlicher Jurisdiktionen. Denn mit Ausnahme von Gold werden kritische Metalle seit einigen Monaten mit „Sicherheitsaufschlägen“ gehandelt. Das resultiert aus den fragilen Lieferketten, geopolitischen Zwängen und zunehmender Versorgungs-Unsicherheit. Produzenten von Solarmodulen in China sollen mittlerweile Silber horten, weil die Beschaffungsmärkte für physische Ware von Spekulanten quasi leer gekauft werden. Silber konnte in den letzten 12 Monaten so rund 200 % zulegen, die physische Nachfrage übersteigt mittlerweile die Jahresproduktion. Wenn man auf Experten hört, soll der Trend noch lang nicht stoppen. Sind Portfolio-Umschichtungen nötig?
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
AMERICAN ATOMICS INC | CA0240301089 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Nel ASA - Technologiedurchbruch im Wasserstoffmarkt
Die ersten Kurstaxen konnten begeistern, doch schon nach einigen Tagen ging es wieder nach unten. Nel ASA aus Norwegen kann sich kurstechnisch noch nicht aus der Zone 2,20 bis 2,50 NOK befreien. Kein Wunder, denn die Norweger agieren in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Zwar kann man sich auf politische Rückendeckung aus Europa stützen, dennoch sind viele Förderprogramme aus Brüssel sehr langfristig auf den Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur ausgerichtet. Um eine Kursperformance für Investoren zu generieren, müsste die Schlagzahl höher sein. Aktuell reichen die öffentlichen Aufträge für eine neuangelegte Rally der Wasserstoff-Titel noch nicht.
Bilanziell ist alles noch im Grünen, denn per Ende September wurden noch liquide Mittel von rund 1,76 Mrd. NOK ausgewiesen. In den vergangenen Quartalen litt das operative Geschäft aber unter Projektverschiebungen, schwacher Sektorstimmung und der tendenziellen Abkehr der USA von alternativen Energieerzeugungsformen. Trotzdem können sie eine neue Generation druckbasierter alkalischer Elektrolyseure vorweisen, deren Prototypen laut Management außergewöhnlich hohe Wirkungsgrade erreicht haben. Der geplante Produktionshochlauf soll schrittweise erfolgen, mit einem Marktstart ab 2026 und einer deutlichen Skalierung ab 2027. Vorstandschef Håkon Volldal verfolgt dabei klar das Ziel, Nel als Kostenführer im Elektrolyseurmarkt zu positionieren. Möglich werden soll dies unter anderem durch ein modulares Containerkonzept, das teure Gebäudeinfrastrukturen überflüssig macht. Damit steht Nel aktuell zwischen kurzfristigem Börsendruck und der realistischen Chance, sich als zentraler Technologieanbieter im europäischen Wasserstoffhochlauf zu etablieren. Mutige Anleger können seit Tagen bei etwa 0,19 EUR einsteigen, große Bewegungen nach oben bislang allerdings Fehlanzeige!
American Atomics – Nordamerikas Schlüssel zur neuen Uran-Unabhängigkeit
Auch Kernenergie wird in der aktuellen Zeitenwende als Carbon-Zero-Technologie favorisiert. Mit dem Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, globalem Bevölkerungswachstum und neuen Hochleistungsinfrastrukturen wächst auch ihr Bedarf in nie dagewesenem Ausmaß. Während viele Volkswirtschaften unter hohen Strompreisen und Versorgungsengpässen leiden, bieten rohstoffreiche Regionen wie Kanada ideale Bedingungen, um diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Genau hier setzt American Atomics Inc. an, ein Energieunternehmen aus Vancouver, das sich vorgenommen hat, Nordamerika zu einem energiepolitisch souveränen Akteur im Nuklearsektor zu machen. Im Auge hat man hierbei den Aufbau von unabhängigen, geschlossene Uranversorgungsketten, von der Lagerstätte über die Raffination bis zum Brennstoff moderner Reaktoren. Das Unternehmen reagiert damit auf eine strategische Schwachstelle, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Abhängigkeiten von russischen, kasachischen und chinesischen Lieferanten entstanden ist. Mit seinem Leitgedanken „From Rock to Reactor“ verfolgt das innovative Unternehmen den Aufbau einer komplett westlich kontrollierten Wertschöpfungslinie für Kernbrennstoffe. Ein Kernprojekt bildet dabei das Big-Indian-Revier im traditionsreichen Lisbon Valley (Utah), einem der geschichtsträchtigsten Uranbecken der Vereinigten Staaten. Dort besitzt American Atomics eine Optionsvereinbarung, die den schrittweisen Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung bis 2030 ermöglicht, gekoppelt an festgelegte Investitionen in die geologische Erschließung. Ergänzende Vorkommen in Colorado und Ontario erweitern die Ressourcenbasis und schaffen breitere Rohstoffsicherheit.
Parallel dazu baut das Unternehmen seine technologische Infrastruktur weiter aus. In Kooperation mit dem kanadischen Raffinationsunternehmen CVMR entsteht ein Netzwerk zur Verarbeitung von Uranerz, mit dem ein Großteil der Wertschöpfung künftig im eigenen Haus verbleiben soll. Ein weiteres Standbein ist die Zusammenarbeit mit DISA Technologies, die innovative Verfahren zur Rückgewinnung von Uran aus Altlasten einbringen. Zwei Besonderheiten machen das Geschäftsmodell besonders zukunftsfähig. Erstens investiert American Atomics gezielt in KI-gestützte Exploration und Prozessautomatisierung, um Lagerstätten effizienter zu bewerten und die Wertschöpfungskette digital zu überwachen. Zweitens engagiert sich das Unternehmen in gemeinsamen Forschungsplattformen zur Entwicklung von HALEU-Brennstoffen (High Assay Low Enriched Uranium), die für die Reaktorkonzepte der nächsten Generation entscheidend sind. Mit einer derzeitigen Marktkapitalisierung von rund 12 Mio. CAD besteht noch viel Raum für Entwicklung!

IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk interviewte Mitgründer Connor Lynch zur strategischen Ausrichtung von American Atomics.
https://www.youtube.com/watch?v=NZEQ7_2MUgA
Siemens Energy – Analysten ziehen ihre Kursziele nach
Das deutsche Benchmark-Unternehmen in Sachen Energie-Technologie ist das seit der Abspaltung von der Siemens AG im Jahr 2020 selbständige DAX-Mitglied Siemens Energy. Mit einem holprigen Start fiel das Unternehmen in 2024 in eine tiefe Krise, als man die spanische Windtochter Siemens Gamesa retten musste. Mit staatlichen Garantien über 11 Mrd. EUR gelang dieses Unterfangen und katapultierte den neuen Konzern auf Platz 1 der weltweiten Kraftwerksdesigner und Turbinenlieferanten. Schwierige Geschäftseinheiten in Indien und Sri Lanka wurden an eine internationale Investorengruppe unter der Führung von TPG verkauft. Nach einer Neuaufstellung steht nun die Wind-, Netz- und Infrastrukturtechnik im Fokus, die den Konzernumsatz bis 2030 auf über 60 Mrd. EUR hieven soll.
Mit Blick auf die Fundamentaldaten ist das KGV auf Basis des letzten Geschäftsjahres 2024/25e mit 35 zwar üppig, die steilen Gewinnzuwachsraten rechtfertigen diesen Faktor aber. Schon in 2029e sinkt das geschätzte KGV auf etwa 18. Zuletzt hinkten die Analysten der Kursentwicklung um über 150 % hinterher, haben aber in der letzten Woche starke Anpassungen bei den Kurszielen eingeleitet. So sieht RBC ein Ziel von 150 EUR, J.P. Morgan mit „Overweight“ sogar 160 EUR und Bank of America immerhin 170 EUR. Nur Barclays sieht Risiken in der konjunkturellen Entwicklung und votiert mit „Equalweight“ und einem moderaten Kursziel von 90 EUR. Quer durch alle Expertenmeinungen ergibt das bei LSEG im Schnitt 123,50 EUR, einen Schnaps darüber der aktuelle Kurs. Werfen Sie eine Münze!
Die Transformation der Energiemärkte verläuft diesseits und jenseits des Atlantiks zunehmend auseinander, mit klar unterschiedlichen industrie- und energiepolitischen Prioritäten. Während die USA unter einer stark rohstofforientierten Agenda den Ausbau konventioneller Energiequellen forcieren und damit auch nukleare Technologien wieder strategisch aufwerten, gewinnt ein Titel wie American Atomics an Aufmerksamkeit als Profiteur dieser Neubewertung. Europa hingegen setzt stärker auf den strukturellen Umbau von Stromnetzen, erneuerbaren Kapazitäten und Wasserstofflösungen, wovon Unternehmen wie Siemens Energy als Infrastrukturanbieter und Nel ASA als Technologiepartner für grünen Wasserstoff profitieren.
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