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27.01.2026 | 04:30

Stresstest: Kernkraft statt Wasserstoff? Achtung bei Nel ASA, First Hydrogen, Oklo und Plug Power

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Bildquelle: pixabay.com

„Drill Baby Drill“ – so klingt es lautstark aus dem Weißen Haus. Für die Trump-Administration heißt das, schnelle Genehmigungen und ein kapitalintensiver Push der fossilen Energien. Wie es mit den alternativen Energien aber weitergehen soll, scheint aktuell unklar. Die Mittel aus dem „Inflation Reduction Act (IRA)“ der Vorgänger-Regierung unter Joe Biden wurden teilweise nicht ausbezahlt und erhoffte öffentliche Aufträge im Sinne der Pariser Klimaabkommen sind durch das Fernbleiben der USA nun obsolet. So ganz klar wird die Abkehr von den alternativen Energien aber nicht kommuniziert. Immerhin gibt es eine große Anhängerschaft von ESG-konformen Energiemodellen, allen voran wird die Kernenergie wieder als NetZero-Quelle salonfähig. Wo sollten Anleger hellhörig werden?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , OKLO INC | US02156V1098

Inhaltsverzeichnis:


    Oklo – Volatiler geht nicht mehr

    Ein glänzender Jahresstart für den innovativen Reaktor-Designer Oklo aus den USA. Gab es zum Jahresende 2025 einen regelrechten Ausverkauf von über 190 auf unter 75 USD, so konnte der Januar zumindest wieder Kurse über 100 USD zeigen. Positiv ist sicher der Mega-Deal mit Meta Platforms, um bis 2034 ein 1,2-GW-Nuklearkraftwerk in Ohio zu entwickeln, was sogar durch eine Vorauszahlung von Meta abgesichert wird. Dieser Pakt unterstützt Metas AI-Datenzentren und markiert Oklos ersten großen kommerziellen Vertrag. Die Anlage soll ab 2026 gebaut werden und schon 2030 ans Netz gehen. Zusätzlich plant Oklo über seine Tochter Atomic Alchemy eine Radioisotopen-Pilotanlage mit dem US-Energieministerium zur heimischen Produktion medizinischer Isotope. Klingt alles nicht schlecht, aber ein fader Beigeschmack bleibt durch den Aktienverkauf des CEOs im Wert von immerhin 10,2 Mio. USD unmittelbar nach Verkündung des Meta-Deals. Die Aktie stürzte so von rund 113 auf gestern 84 USD ab. Die Plattform LSEG schätzt ein 12-Monatskursziel von ca. 117 USD basierend auf 20 Analysten mit folgenden Ratings: 1 Sell, 6 Holds und 13 Buys. Trotz gemischter Gefühle sehen viele Investoren in Oklo einen Schlüsselspieler für AI-gestützte Clean Energy. Doch die Korrektur der immensen Überbewertung der Oklo-Aktie, die erst nach 2030 mit operativen Gewinnen aufwartet, scheint noch nicht erledigt.

    First Hydrogen – SMR-Forschung als Option auf den nächsten Wachstumsschub

    Auch First Hydrogen macht in Sachen SMRs von sich reden. Denn der kanadische Innovator entwickelt sich zunehmend von einem reinen Wasserstoff- und Mobilitätsanbieter zu einem integrierten Clean-Energy-Unternehmen mit klarer technologischer Langfristperspektive. Ein wesentlicher strategischer Schritt ist das gestartete Forschungsprogramm mit der University of Alberta, das sich mit Brennstoffmaterialien für geschmolzene Salzreaktoren im SMR-Bereich befasst. In dieser frühen Phase werden bewusst nicht-radioaktive Ersatzstoffe untersucht, um zentrale physikalische Eigenschaften realitätsnah abzubilden und Entwicklungsrisiken frühzeitig zu senken. Dieser Ansatz erlaubt es First Hydrogen, Know-how aufzubauen, ohne regulatorische Hürden oder hohe Sicherheitskosten zu tragen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Entscheidungsgrundlage für den weiteren Ausbau eigener Laborkapazitäten und für Partnerschaften entlang der Lieferkette dienen.

    Strategisch verfolgt das Unternehmen das Ziel, grundlastfähige, saubere Energie aus SMRs mit Elektrolyse zu koppeln und damit skalierbaren grünen Wasserstoff bereitzustellen. Besonders für Industrie, Rechenzentren und KI-Infrastruktur entsteht dadurch ein attraktives Anwendungsfeld mit wachsender globaler Aufmerksamkeit. Das Beispiel von Oklo zeigt, dass bei entsprechender Projektreife vermehrt große US-Techs mit Milliarden winken. Denn der Energienotstand wächst exponentiell. Zur Finanzierung der nächsten Entwicklungsschritte hat First Hydrogen eine Privatplatzierung von bis zu 3 Mio. CAD angekündigt. Die Mittel sollen flexibel für Forschung, Betriebskapital und den strategischen Ausbau eingesetzt werden. An der Börse reflektiert die aktuelle Bewertung das langfristige Potenzial dieser Plattform bislang noch gar nicht, aber die Branche wird bereits auf First Hydrogen aufmerksam. Für Investoren ergibt sich aktuell ein spekulatives, aber klar thematisch positioniertes Exposure an der Schnittstelle von Wasserstoff, emissionsfreier Mobilität und grundlastfähiger Clean Energy. Visionäre greifen im Bereich 0,38 bis 0,45 CAD schnell zu, bevor der ICE den Bahnhof verlässt!

    Plug Power und Nel ASA – Ein Trauerspiel mit feinen Unterschieden

    Es macht keinen großen Spaß auf die Charts von Nel ASA und Plug Power zu blicken. Denn der globale Wasserstoffsektor durchläuft derzeit eine Phase der Konsolidierung, in der sich technologische Substanz klarer von politischem Hype trennt. Plug Power steht dabei sinnbildlich für die extremen Zyklen der Branche. Auf einen euphorischen Höhenflug folgte eine massive Neubewertung, ausgelöst durch Kapitalbedarf, operative Rückschläge und ein rauer werdendes Förderumfeld in den USA. Nach mehreren Finanzierungsrunden auf niedrigem Kursniveau scheint sich die Lage jedoch zu stabilisieren, während kleinere staatlich geprägte Aufträge die operative Basis sichern und die Relevanz des Unternehmens im Markt bestätigen. Auch wenn der Weg zur nachhaltigen Profitabilität noch weit ist, deuten erste operative und charttechnische Signale auf eine Bodenbildung hin, was Plug Power vor allem für sehr risikobewusste Investoren wieder auf den Radar bringt. Technisch wichtig ist die Zone 1,95 bis 2,55 USD. Bricht einer der Ränder, gibt es eine schnelle Anpassung in die jeweilige Richtung!

    Einen klareren operativen Weg beschreiten die Norweger Nel ASA, da sie stärker von der langfristig angelegten europäischen Wasserstoffstrategie profitieren können. Mit einem vergleichsweise soliden Kassenbestand und einem gedrosselten Investitionstempo kann Nel technologische Entwicklung und Skalierung besser synchronisieren. Ein zentraler Hebel ist die neue Generation von Elektrolyseuren, die auf eine druckbetriebene alkalische Technologie setzt und gezielt auf Kostenführerschaft ausgelegt ist. Durch den geplanten Produktionsausbau in Herøya mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt sollen Skaleneffekte realisiert werden, die die Wirtschaftlichkeit des grünen Wasserstoffs deutlich verbessern. Das modulare Design ohne klassische Industriegebäude senkt zusätzlich die Investitionskosten auf Projektebene. Für Investoren entsteht daraus eine differenzierte Wasserstoff-Story mit mehr strukturellem Weitblick und besserer Jurisdiktion als in der Trumpschen Fossilwelt.

    Im 3-Monatsrückblick schaut es noch düster für Oklo und Plug Power aus, während First Hydrogen und Nel ASA zumindest eine Stabilisierung erreichen können. Quelle: LSEG vom 26.01.2026

    Das Jahr 2026 birgt doch einige Überraschungen. Gold über 5.000 USD und Silber mit einem Anstieg von mehr als 250 % seit Mitte 2025 völlig entfesselt. Genauso wie es hier nach oben geht, kommen die Wasserstoffwerte so gleich gar nicht mehr von der Stelle. Anleger haben andere Themen im Auge. Wichtig ist jedoch: First Hydrogen ändert gerade sein Geschäftsmodell und Plug Power kann zumindest eine technische Stabilisierung erreichen. Bleiben sie am Ball – die Sektor Rotation kommt!


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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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