13.03.2026 | 04:30
Gasmangel und die 150 USD-Wette auf Öl! Achtung bei Shell, BP, A.H.T. Syngas und Plug Power
Die täglichen Nachrichten sind keine Freudenbereiter. Brennende Raffinerien, havarierende Öltanker und Luftgefechte über der ölreichsten Region des Planeten bedeuten für die internationalen Kapitalmärkte höchste Anspannung und Volatilität. Trotz aller Schrecklichkeit dreht sich das Finanz-Karussell weiter. Institutionelle und Privatpersonen sitzen auf 250 Billionen USD weltweit, die nach Anlagemöglichkeiten suchen. Das hält die Kapitalströme am Leben und animiert Millionen von Menschen, auf die blinkenden Kurse zu blicken. Derzeit rücken Energie-Gesellschaften auf Platz 1 des Interesses, die zuletzt favorisierten Hightech- und KI-Aktien legen eine Pause ein. In diesem Umfeld lohnt es sich neben den Multis wie Shell oder BP auch auf Spezialtitel wie A.H.T. Syngas oder Plug Power zu blicken. Sie adressieren die Nöte der Zeit und müssen selbst sehen, wie man hier operative Performance zeigen kann. Wir rechnen nach…
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , Shell PLC | GB00BP6MXD84 , ROYAL DUTCH SHELL A EO-07 | GB00B03MLX29 , BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Shell und BP – Ein warmer Regen für die Multis
Der globale Energiemarkt befindet sich derzeit in einer Phase außergewöhnlicher Belastung, da strategische Reserven schrumpfen und wichtige Exportwege versperrt bleiben. Besonders sensibel reagiert der Markt auf Entwicklungen rund um die Straße von Hormus, über die rund 20 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt werden. Bereits begrenzte Einschränkungen dieser Route können erhebliche Angebotsrisiken erzeugen und kurzfristige Preissprünge auslösen. In diesem Umfeld kletterte der Ölpreis auch gestern wieder in Richtung 100 USD je Barrel. Mehrere Investmentbanken halten es für möglich, dass sich Rohöl bei einer anhaltenden Eskalation dauerhaft oberhalb der Marke von 100 bis 120 USD etablieren könnte, was auch die mittelfristigen Preisprognosen für 2026 nach oben verschieben dürfte. Was für ein Wahnsinn für die globale Wirtschaft! Auguren vermuten allein durch den Iran-Konflikt schon jetzt Wachstumseinbußen von 0,15 bis 0,30 %. Top-Verlierer dürfte das unter starker Inflation leidende Europa sein.
Von solchen Marktphasen profitieren vor allem global aufgestellte Energiekonzerne mit breiter Produktionsbasis und hoher Cashflow-Generierung. Ein Beispiel ist der Shell-Konzern, der sowohl im klassischen Fördergeschäft als auch im internationalen LNG-Handel stark positioniert ist. Steigende Energiepreise wirken sich daher direkt auf Umsatz und operative Ergebnisse aus. Analystenschätzungen gehen für 2026e bis 2028e von einer Erhöhung der Gewinne um bis zu 25 % aus. Im Fall von Shell wären das für 2026 ein EBIT von ca. 30 bis 35 Mrd. USD, das bringt das KGV 2026e von den zuletzt berechnet 13,2 weiter nach unten und könnte eine Dividendenerhöhung auf 1,70 nach 1,50 USD möglich machen. Auch die angekündigten Aktienrückkaufprogramme dürften weiter aufgestockt werden. Der Aktienkurs erreichte mit etwa 38,30 EUR gestern ein neues Allzeithoch.
Auch British Petroleum plc (BP) steht im Fokus der Investoren. Der Konzern hat seine Kostenstruktur in den vergangenen Jahren deutlich gestrafft und setzt weiterhin auf verbesserte Cashflows aus dem Öl- und Gasgeschäft, während parallel Investitionen in neue Energietechnologien erfolgen. Aufgrund relativ niedriger Förderkosten kann BP in einem Hochpreisumfeld überproportional von steigenden Rohölnotierungen profitieren. Historisch betrachtet liegt der aktuelle Kurs mit rund 6,10 EUR weiterhin deutlich unter dem Hoch von 11 EUR der frühen 2000er-Jahre, was aus Sicht einiger Analysten zusätzliches Aufholpotenzial signalisiert. Eventuell steckt in den 2025er Zahlen am 23. April schon viel Gutes für höhere Notierungen. Shell und BP reizen zum Aufstocken!
A.H.T. Syngas Technology - Biomasse-Technologie für Industrie und Wasserstoffwirtschaft
Mit den europäischen Gasproblemen rückt ein neuer Technologie-Anbieter auf den Plan. Mit der A.H.T. Syngas Technology N.V. finden wir einen Anbieter dezentraler Energielösungen, der biogene Reststoffe in klimafreundliche Energieformen umwandelt und damit einen soliden Beitrag zur industriellen Dekarbonisierung leistet. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Im Mittelpunkt steht eine patentierte Vergasungstechnologie, mit der verschiedene Biomassereststoffe, etwa Holzabfälle, Klärschlamm oder Gärreste, thermochemisch in Synthesegas umgewandelt werden können. Das entstehende Gasgemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid lässt sich sowohl als Prozessgas in industriellen Anwendungen als auch zur Strom- und Wärmeerzeugung einsetzen. Der immer stärker wachsende Markt für Synthesegas gilt als biobasierte Alternative zur fossilen Energieversorgung und nimmt rasant an Bedeutung zu. Die A.H.T.-Technologie zielt insbesondere auf industrielle Anwendungen, bei denen Energie möglichst nahe am Verbrauchsort erzeugt werden soll. Durch standardisierte Anlagenkonzepte lassen sich Projekte schneller realisieren und Investitionskosten besser kalkulieren, was die Skalierbarkeit der Technologie erhöht.
Parallel dazu hat das Unternehmen seine strategische Ausrichtung erweitert und entwickelt sich vom klassischen Anlagenbauer hin zu einem Betreiber eigener Energieanlagen. Dieses Contracting-Modell verlängert die Wertschöpfungskette und ermöglicht langfristig wiederkehrende Einnahmenströme. Ein zusätzlicher technologischer Entwicklungsschritt wurde mit dem Abschluss des öffentlich geförderten Projekts BiDroGen erreicht, das sich mit der dezentralen Herstellung von klimaneutralem Wasserstoff aus biogenen Reststoffen befasst. Dabei konnte eine Prozesskette entwickelt und im Containermaßstab demonstriert werden, die Holzreste in hochreinen Wasserstoff für Brennstoffzellen-Anwendungen überführt. Zentrale Rolle spielt eine speziell angepasste Wasser-Gas-Shift-Stufe, die den Wasserstoffanteil im erzeugten Synthesegas erhöht und damit die Effizienz der Gesamtanlage verbessert.
CEO Gero Ferges erklärt seine Unternehmens-Strategie auf dem 18. International Investment Forum. Hier geht´s zur Präsentation.
Der A.H.T.-Ansatz adressiert einen Markt, dessen Nachfrageperspektiven erheblich sind: Prognosen gehen davon aus, dass der jährliche Wasserstoffbedarf in Deutschland bis 2050 auf mehrere hundert Terawattstunden ansteigen könnte. Neben der chemischen Industrie gelten insbesondere der Verkehrssektor und energieintensive Produktionsbranchen als zentrale Nachfragetreiber. Für das beschriebene Verfahren werden Produktionskosten im Bereich von rund 4 bis 8 EUR pro Kilogramm Wasserstoff erwartet, womit sich im Vergleich zu vielen elektrolysebasierten Verfahren potenzielle Kostenvorteile ergeben könnten. Zusätzliche Erlösmöglichkeiten entstehen perspektivisch durch CO2-Minderungsinstrumente und Märkte für Emissionszertifikate.
Operativ konzentriert sich das Unternehmen derzeit vor allem auf europäische Projekte, gleichzeitig wird die Technologieplattform kontinuierlich weiterentwickelt, um eine größere Bandbreite biogener Reststoffströme verarbeiten zu können. Bei Kursen um 4,20 EUR ist A.H.T. Syngas rund 7 Mio. EUR wert, das Researchhaus GBC startete seine Coverage mit einem 12-Monats-Kursziel von 8,50 EUR. Ein klarer 100 %-Kandidat mit doppeltem Rückenwind aus dem Nahen Osten und Brüssel!
Plug Power – Andy Marsh adé, nun kommt José Lui Crespo ans Ruder
Ist das die Wende im Hause Plug Power? Denn auf einen euphorischen Höhenflug in 2021 folgte eine massive Neubewertung in 2025 mit 95 % Kursverlust vom Top. Ausgelöst durch Kapitalbedarf, operative Rückschläge und ein rauer werdendes Förderumfeld in den USA. Nun flammt Hoffnung auf, denn die Zahlen für Q4-2025 waren besser als erwartet. Immerhin 12,9 % Plus auf der Erlösseite, das bringt den Jahresumsatz auf 710 Mio. USD, im letzten Quartal konnten die Analystenschätzungen mit erreichten 225 Mio. USD sogar leicht überboten werden. Die im Vorjahr noch negative Bruttomarge zeigt sich mit 2,4 % zwar zum ersten Mal positiv, auf Gesamtjahressicht klafft aber ein Verlust von immer noch 1,69 Mrd. USD gegenüber minus 2,1 Mrd. USD in 2024. CEO Andy Marsh, der sich mit seinen Fehlprognosen berühmter machte als mit positiver Performance, übergab den Staffelstab am 2. März an den Nachfolger José Luis Crespo. Der frühere Chief Revenue Officer soll sich insbesondere um das internationale Geschäft vor allem in Europa kümmern und den Wasserstoff-Spezialisten zur operativen Wende führen. Analysten auf der Plattform LSEG rechnen für 2026 bis 2028 aber weiterhin mit deutlichen Verlusten. Nach einer kurzen Hoffnungs-Rally bis an den Widerstand bei rund 2,50 USD fiel der Kurs wieder auf unter 2,20 USD zurück. Mal sehen was der neue CEO auf der Pfanne hat. Abwarten!

Dass der Iran-Konflikt die Welt aus den Fugen hebt, hätte wohl niemand gedacht. Liegt aber auch an den vollmundigen Worten des Präsidenten, der schon nach Start der kriegerischen Handlungen von einem Blitzkrieg gesprochen hatte. Blödsinn, wie wir nun wissen. Mittelfristig könnte Öl also noch wesentlich teurer werden, das lenkt den Blick der Investoren zunächst auf die Öl-Multis, aber natürlich auch verstärkt auf Unternehmen wie A.H.T. Syngas oder Plug Power, die in solchen Energiekrisen gute technische Alternativen zu den fossilen Brennstoffen bieten können.
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