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10.03.2026 | 05:10

Almonty Industries, Glencore, Rio Tinto – Kampf um kritische Rohstoffe eskaliert

  • kritische Rohstoffe
Bildquelle: pixabay.com

Die globale Rohstofflandschaft steht vor einer Zeitenwende. Exportrestriktionen, geopolitische Spannungen und der massive Bedarf aus Rüstung, Energiewende und Hightech treiben die Preise strategischer Metalle nach oben. Besonders kritische Rohstoffe geraten zunehmend unter Druck, während wichtige Förderländer ihre Lieferketten stärker kontrollieren. Analysten sprechen bereits von einer strukturellen Neubewertung ganzer Rohstoffmärkte. Gleichzeitig profitieren ausgewählte Produzenten und Handelskonzerne von steigenden Preisen, neuen Projekten und strategischen Allianzen entlang der Lieferketten. Für Investoren rücken damit Unternehmen in den Fokus, die Zugang zu knappen Metallen sichern und eine Schlüsselrolle in der neuen Rohstoffordnung spielen könnten.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 , RIO TINTO PLC LS-10 ADR 1 | US7672041008 , GLENCORE PLC DL -_01 | JE00B4T3BW64

Inhaltsverzeichnis:


    Almonty Industries – Analysten euphorisch

    Aktuell überbieten sich diverse Analystenhäuser mit Kurszielanpassungen für den Wolframproduzenten Almonty Industries. Grund dafür ist neben dem erwarteten Produktionsstart der Sangdong-Mine in Südkorea der explodierende Wolframpreis. Das elementare Vorprodukt Ammonium-Paratungstat (APT) stieg allein seit Jahresanfang von 940 USD pro Metric Ton Unit (MTU) auf aktuell rund 2.200 USD.

    So hob D.A. Davidson das Kursziel von zuvor 18,00 USD auf 25,00 USD an, das „Buy“-Rating wurde wiederholt. Cantor Fitzgerald erhöhte sogar von 14,50 USD auf 25,80 USD, das Anlageurteil wurde ebenfalls mit „Kaufen“ bestätigt.

    Ebenfalls, auf aktuell 20,48 USD, schraubte die Augsburger GBC AG das Kursziel nach oben. Die Analysten von GBC sehen den globalen Wolframmarkt derzeit in einer Phase fundamentaler Neuordnung. Auslöser seien vor allem Exportrestriktionen und Produktionsbeschränkungen in China, das rund 80 % der weltweiten Förderung kontrolliert. Dadurch habe sich das Angebot spürbar verknappt, während gleichzeitig strukturelle Nachfrageimpulse aus Verteidigung, Luft- und Raumfahrt, Halbleitern, erneuerbaren Energien und Hightech-Industrien zunehmen.
    Die Folge ist eine historische Preisrallye beim Wolfram-Vorprodukt APT. Die Experten werten dies als strukturelle Neubewertung des gesamten Marktes. Für Almonty Industries verbessere sich dadurch das operative Umfeld deutlich. Bereits die laufende Produktion in Panasqueira profitiere von höheren realisierten Preisen. Noch stärker wirke sich der Preissprung jedoch auf die großen Entwicklungsprojekte Sangdong und Gentung aus, deren zukünftige Cashflows deutlich steigen könnten.

    Nach Einschätzung von GBC erhöht das neue Preisniveau den operativen Hebel der Projekte erheblich. Mit zunehmender Produktionsskalierung könnten Umsatz- und Margenpotenzial des Unternehmens daher deutlich stärker ausfallen als in früheren, konservativeren Modellen angenommen.

    Rio Tinto – Langfristig interessant

    Die Unsicherheiten in Hinblick auf den eskalierenden Konflikt im Iran machten auch vor einem der größten Bergbaukonzerne der Welt nicht halt. Die Rio Tinto Aktie verlor im Wochenvergleich rund 10 % an Wert und notiert nahe ihrem Hoch aus dem Jahr 2023, welches aktuell als Unterstützung dienen sollte, bei 75 EUR. Doch im Schatten der Marktkorrektur formiert sich Rio Tinto anhand zahlreicher Projekte neu. Durch die im Vergleich zur Peer Group günstigen Bewertung und einer Dividendenrendite von aktuell 5,29 % könnte sich hier eine langfristige, antizyklische Einstiegsmöglichkeit ergeben.

    Im Fokus steht dabei eine Investition in ein 1,1 Mrd. AUD schweres 50:50 Joint Venture mit der Regierung Westaustraliens für eine neue Entsalzungsanlage in Dampier. Der Bau soll in zwei Phasen, die für 2026 und 2027 geplant sind, erfolgen. Die Anlage soll dann einen Wasserertrag von 8 Gigaliter pro Jahr liefern, den Druck auf wichtige Grundwasser-Reservoirs reduzieren und nachhaltige Wasserversorgung für Gemeinden und Industrie sichern. Somit kann sichere Wasserinfrastruktur für künftige Minenzyklen garantiert werden.

    Zudem verspricht die neue Allianz mit dem Batteriemarktführer CATL, auf jetzigem Stand wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, zur Elektrifizierung von Bergbaumaschinen drastische Kostensenkungen und eine Dekarbonisierung im Bergbau auf höchstem Niveau. Hinzu kommt, dass Rio Tinto anstrebt, Lithium an den weltgrößten Batteriehersteller zu liefern, was den Auftragsbestand deutlich heben würde.

    Glencore – strategischer Schachzug in ungewissen Zeiten

    Die aktuelle Gemengelage treiben die Rüstungsindustrie in einen Superzyklus. Wenn Rüstungskonzerne ihre Produktion hochfahren, steigt die Nachfrage nach Metallen, unter anderem nach dem Rohstoff Kupfer. Während zudem der Bedarf durch Elektromobilität, Stromnetze, Rechenzentren und erneuerbare Energien rasant wächst, kommt das Angebot kaum hinterher. Laut Branchenanalysen könnte sich die globale Kupfernachfrage bis 2035 nahezu verdoppeln.

    Gleichzeitig werden neue Minen immer schwerer zu entwickeln. Genehmigungsverfahren dauern oft mehr als zehn Jahre, viele Lagerstätten weisen sinkende Erzgehalte auf und politische Risiken nehmen zu. Große Förderländer wie Chile oder Peru kämpfen zudem mit steigenden Kosten und regulatorischen Hürden.

    Einer dieser Profiteure ist der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore als einer der wichtigsten Produzenten von Metallen. Ein besonderes Merkmal des Konzerns ist das zweigleisige Geschäftsmodell. Auf der einen Seite wird der Abbau von Rohstoffen in Minen weltweit gefördert, und auf der anderen Seite werden diese global verhandelt und vertrieben. Durch diese Kombination kann das Unternehmen stark von Preisbewegungen am Rohstoffmarkt profitieren.

    Zudem spielt es seine Führungsrolle im Rohstoffmarkt aus. Der neueste Coup in Kasachstan ist ein Lehrbuchbeispiel für Smart Money. Statt sich mit einer teuren Komplettübernahme von ERG zu belasten, finanziert der Rohstoff-Gigant den Einstieg des Rohstoffinvestors Mutalip an der Minengesellschaft Eurasian Resources Group (ERG) mit rund 800 Mio. USD vor. Durch das Invest entsteht kein operatives Risiko für Glencore. Der Vorteil liegt darin, dass sich Glencore mehr Einfluss auf seine Lieferkette sichert, da die ERG ein wichtiger nachgelagerter Kunde zur Entrostung und Verhärtung von Stahl ist. Durch den Deal erwirbt sich Glencore einen strategischen Vorteil zur Kontrolle des Angebots am Markt. Gerade bei geopolitischen Spannungen ist dieser Schritt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.


    Der Wolframproduzent Almonty Industries profitiert von der Angebotsverknappung und steigenden Preisen für strategische Metalle. Rio Tinto setzt mit neuen Projekten und Partnerschaften auf die langfristige Nachfrage nach Batterie- und Industriemetallen. Glencore nutzt sein globales Handelsnetzwerk und strategische Deals, um sich Vorteile im zunehmend angespannten Rohstoffmarkt zu sichern.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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