24.04.2026 | 04:15
Iran und die 100 USD - Totaler Öl-Wahnsinn treibt ITM Power, Zefiro Methane, thyssenkrupp, nucera und Nel ASA
Verrückte Zeiten für Investoren. Nach einigem Hin und Her zwischen Washington und Teheran steigt die Unsicherheit über den Fortgang des Konflikts weiter an. Damit bleibt der Markt auch zum Wochenende sehr volatil, die Ölpreise der Sorte Brent oszillierten in den letzten 10 Handelstagen zwischen 82 und 104 USD munter umher, woran soll sich der Anleger hier noch anlehnen? Vielleicht lohnt ein Blick auf die Peergroup des Ölsektors oder auch ein erneuter Versuch im Bereich alternativer Energien. Hier hatte Plug Power zuletzt ein wahres Feuerwerk entzündet. Doch was machen ITM Power, Nel ASA, thyssenkrupp und nucera in diesem Umfeld? Und dann wäre da noch der Neuling Zefiro Methane, mit einem Ansatz, der die Aktie schnell in die nächste Liga befördern könnte. Wir dringen etwas tiefer in die Erdkruste ein.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , THYSSENKRUPP NUCERA AG & CO KGAA | DE000NCA0001 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , ITM POWER PLC LS-_05 | GB00B0130H42
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Timing schlägt Technologie: Der stille Unterschied zwischen ITM Power und Nel ASA
Wer den Blick aus der Golfregion in die Welt richtet, stößt mit Wasserstoff auf alternative Möglichkeiten, die nun eine Renaissance erleben. Die Schwankungen sind aber auch hier gewaltig. So wirkt die Kursentwicklung im Wasserstoffsektor auf den ersten Blick irrational, doch bei genauer Betrachtung zeigt sich ein klassisches Muster: Investoren belohnen sichtbare Fortschritte und bestrafen operative Unsicherheit. Ein Beispiel liefern ITM Power und Nel ASA.
Während beide Unternehmen in derselben Branche tätig sind, unterscheiden sich ihre strategischen Phasen aktuell deutlich. ITM Power befindet sich in einer Phase der operativen Stabilisierung, während Nel ASA noch stärker mit strukturellen Anpassungen und Nachfrageschwankungen kämpft. Ein zentraler Treiber für die relative Stärke von ITM Power ist die Wahrnehmung eines beginnenden Turnarounds. Das Unternehmen hat in den letzten Quartalen Kosten reduziert, Projekte fokussiert und seine Produktionsstrategie neu ausgerichtet, was Investoren als Zeichen von hoher Disziplin interpretieren. Die Börse jagte den Titel in nur 3 Wochen um über 130 % nach oben, vielleicht ist das etwas zu stark. Legen Sie auf jeden Fall einen Stopp-Loss für sich fest.
Nel ASA hingegen leidet stärker unter einem klassischen Skalierungsproblem der Wasserstoffbranche. Die Norweger haben zwar eine hohe technologische Kompetenz und eine lange Historie, doch Nachfrageentscheidungen großer Kunden wurden mehrfach verschoben, was zu erheblichen Umsatzschwankungen und Unsicherheit geführt hat. In einem Umfeld steigender Finanzierungskosten und verzögerter Investitionsentscheidungen reagieren Investoren besonders sensibel auf solche Verzögerungen. Nach über 90 % Absturz seit 2022 kann sich der Kurs vom Tief gerade mal 10 % nach oben absetzen. Hier warten insbesondere die Techniker auf einen Ausbruch über die 0,24 EUR-Marke.
Stabile Politik, wachsender Auftragsbestand: Die stille Stärke hinter der Zefiro-Story
Von Wasserstoff zu Methan. Zefiro Methane ist ein agiler US-Umweltdienstleister, der sich auf ein oft übersehenes, aber strukturell wachsendes Problem spezialisiert hat: Das dauerhafte Stilllegen alter Öl- und Gasbohrlöcher sowie die Messung von Methanemissionen. Das Geschäftsmodell basiert darauf, staatliche Programme und Energieunternehmen bei der Sanierung sogenannter „orphan wells“ zu unterstützen, die ohne Betreiber zurückgelassen wurden und erhebliche Umweltkosten verursachen können. Im Kern verdient das Unternehmen Geld durch das physische Verschließen dieser Bohrlöcher, ergänzt durch Dienstleistungen zur Emissionsmessung und den Verkauf von CO₂-Zertifikaten aus erfolgreich abgeschlossenen Projekten. Damit bewegt sich Zefiro in einer Nische, die regulatorisch getrieben ist und langfristig von politischen Budgets abhängt, statt von klassischen Rohstoffpreisen. Operativ zeigt das Unternehmen derzeit eine Phase beschleunigter Skalierung, in der neue Projekte schneller abgewickelt werden und die Pipeline sichtbar wächst.
Aktuell arbeitet das Unternehmen bereits an mehreren neuen Großprojekten, darunter ein staatlicher Auftrag im Volumen von fast 20 Mio. USD, der den Umsatz in den kommenden Quartalen stabilisieren dürfte. Erfolgreich konnten Schulden reduziert und die Profitabilität auf Projektebene gesteigert werden, was die operative Widerstandsfähigkeit erhöht. Die Tochtergesellschaft Plants & Goodwin hat erstmals Einnahmen aus einer eigenen Technologie erzielt, nachdem zwei Industriekunden das patentierte REED-Werkzeug auf Standorten in Pennsylvania eingesetzt haben. Diese Projekte markieren den Start einer neuen Erlösquelle und ergänzen ein Kerngeschäft, das in den letzten zwei Quartalen bereits mehr als 22 Mio. USD Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von 3,8 Mio. USD generiert hat. Die Technologie stammt von Radial Casing Solutions und ermöglicht es, Bohrlochverrohrungen kostengünstig abzudichten, wodurch potenziell Reparaturkosten in Höhe von Hunderttausenden bis Millionen USD vermieden werden können. Da Plants & Goodwin die exklusiven Lizenzrechte für diese Patente in den USA besitzt, entsteht daraus ein skalierbares Zusatzgeschäft durch weitere Einsätze oder Lizenzvergaben.
Analytisch betrachtet, stärkt dieser erste Technologieumsatz die Investment-Story, weil er zeigt, dass sich das Geschäftsmodell von einem reinen Dienstleister hin zu einem Anbieter margenstärkerer Lösungen entwickelt. Mit 75,68 Mio. ausstehenden Aktien ist das Unternehmen derzeit nur mit 43 Mio. CAD bewertet. Die Aktie kann in Kanada unter dem Kürzel „ZEFI“ oder einfach in Frankfurt erworben werden. Der aktuelle Einstiegszeitpunkt könnte nicht besser sein!
thyssenkrupp – Gewinnwarnung bei der Wasserstoff-Tochter nucera
Wasserstoff könnte die Energiewende beflügeln, wäre er nicht so teuer! So musste der Elektrolyse-Spezialist thyssenkrupp nucera schon drei Jahre nach der Erstnotiz bei 20 EUR seine erste Gewinnwarnung veröffentlichen. International bleibt es offensichtlich nachhaltig schwer, mit Wasserstoff große Sprünge zu zeigen. Der Titel verliert seit 2023 über 60 % gegenüber seiner Erstnotiz. Allerdings gibt es auch Licht am Ende des Tunnels. Die Dortmunder sind mit Blick auf den Auftragseingang im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 nun doch wieder positiver gestimmt. Hintergrund der neuen Prognose ist vor allem ein Auftrag des spanischen Energieunternehmens Moeve. nucera soll hier Elektrolyseure mit einer Kapazität von 300 MW für eine Wasserstoffanlage in Andalusien liefern. Diese sollen künftig auf eine Produktionskapazität von rund 45.000 Tonnen grünem Wasserstoff jährlich kommen.
Wie aus Dortmund verlautet, wird der Auftragseingang auch wegen dieser Großorder im laufenden Geschäftsjahr von 348 auf 550 bis 850 Mio. EUR anwachsen. Bislang war das Management um Vorstandschef Werner Ponikwar von 350 bis 900 Millionen ausgegangen. Eine breite Spanne würden Analysten sagen, aber die Visibilität ist angesichts anhaltender geopolitischer Verwerfungen einfach begrenzt. „Man fährt auf Sicht“ hört man aus der Führungsebene. nucera hatte im April bereits wegen eines geplatzten Projekts und teurer Nachbesserungen seine Jahresziele gekappt. Das Unternehmen peilt für das Geschäftsjahr nur noch 450 bis 550 Mio. EUR Umsatz an, statt der bisher anvisierten 500 bis 600 Mio. EUR. Abwarten!

Die Kapitalmärkte haben zurzeit jeden Tag ein anderes Szenario parat. Kurzfristig flammt Hoffnung auf, es könnte im Nahen Osten bald vorbei sein, dann folgt sofort die nächste Eskalation. Stellenweise beflügelnd wirken gerade die vorliegenden Zweifel an den fossilen Energiequellen im Bereich alternativer Energien. Speziell der Wasserstoff oder die Methansparte profitieren von diesem Umfeld. Während ITM Power und Zefiro Methane sich hier ihren Weg bahnen, ist bei thyssenkrupp nucera und Nel ASA wohl immer noch Vorsicht geboten.
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