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29.10.2026 | 05:28

SAP, Aqarios Quantum Technologies, Infineon – Der Kampf um die nächste "Rechen-Revolution"

  • Quantencomputer
  • KI
  • Software
Bildquelle: ChatGPT KI generiert

Der Datenhunger der globalen Wirtschaft bringt herkömmliche IT-Infrastrukturen rasant an ihre physikalischen und ökonomischen Grenzen. Während Künstliche Intelligenz heute gigantische Rechenkapazitäten benötigt, formiert sich im Hintergrund bereits der nächste gewaltige Technologiesprung. Dieser historische Umbruch eröffnet Investoren völlig neue Dimensionen. Auf der einen Seite füllen etablierte Tech-Giganten ihre Kassen mit Milliardenaufträgen für klassische Cloud-Software und hochleistungsfähige Halbleiter. Auf der anderen Seite positionieren sich spezialisierte Innovatoren, die schon heute die fundamentalen Standards für das kommende Quanten-Zeitalter definieren. Wer diese Wertschöpfungskette von der Hardware bis zur nächsten Software-Generation strategisch bespielt, sichert sich jetzt einen massiven Hebel auf den technologischen Megatrend dieses Jahrhunderts.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Fonterelli SPAC 4 AG | DE000A40UU44 , INFINEON TECH.AG NA | DE0006231004 , SAP SE | DE0007164600

Inhaltsverzeichnis:


    SAP – Milliarden-Wachstum in der Cloud

    SAP hat die Marke von 10 Mrd. EUR Quartalsumsatz erstmals durchbrochen. Der Walldorfer Softwarekonzern steigerte seine Erlöse im dritten Quartal 2026 um 13 % auf 10,27 Mrd. EUR. Noch dynamischer entwickelte sich das Cloud-Geschäft mit einem Plus von 26 % auf 6,67 Mrd. EUR. Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand erreichte 24,1 Mrd. EUR und lag damit 28 % über dem Vorjahreswert. Die Zahlen vom 21. Oktober zeigen, dass die Nachfrage nach Unternehmenssoftware trotz konjunktureller Unsicherheiten weiterhin hoch bleibt.

    Auch die Profitabilität verbessert sich. Der IFRS-Betriebsgewinn stieg um 18 % auf 2,93 Mrd. EUR, der freie Cashflow sogar um 36 % auf 1,72 Mrd. EUR. Für das Gesamtjahr erwartet SAP Cloud-Erlöse am oberen Ende der Prognosespanne von 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR. Beim bereinigten Betriebsgewinn bleibt das Management bei 11,8 bis 12,2 Mrd. EUR.

    Zunehmend wichtiger wird die Integration Künstlicher Intelligenz in die Unternehmenssoftware. Mit dem KI-Assistenten Joule und der Übernahme von TechWolf will SAP seine Stellung bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen ausbauen. Der Konzern profitiert dabei vom Zugang zu geschäftskritischen Daten, die für den produktiven Einsatz von KI entscheidend sind.

    Die Analysten reagierten überwiegend positiv. Goldman Sachs erhöhte das Kursziel von 230 auf 258 EUR und bestätigte „Buy“. Barclays hob seine Zielmarke von 210 auf 250 EUR an und vergab das Urteil „Overweight“. JPMorgan bleibt dagegen mit „Neutral“ und 175 EUR zurückhaltender.

    Aqarios Quantum Technologies – Deutsche Quantensoftware nimmt Industrie ins Visier

    Während die großen Technologiekonzerne Milliarden in leistungsfähige Quantencomputer investieren, positioniert sich Aqarios Quantum Technologies auf der Softwareseite. Das 2021 aus einem Spin-off der Ludwig-Maximilians-Universität München hervorgegangene Unternehmen setzt auf einen Ansatz, der bereits heute industrielle Optimierungsaufgaben adressiert. Statt auf den Durchbruch der Quantenhardware zu warten, kombiniert Aqarios klassische Rechenverfahren, Künstliche Intelligenz und Quantenalgorithmen.

    Im Mittelpunkt steht die Softwareplattform Luna. Sie vereint mehr als 35 Algorithmen und über 40 vorbereitete Optimierungsszenarien unter einer Oberfläche. Unternehmen können bei Themen wie Produktionsplanung, Logistik oder Energieversorgung verschiedene Lösungsverfahren einsetzen und vergleichen. Die hardwareunabhängige Architektur ermöglicht dabei den Zugriff auf unterschiedliche Rechensysteme.

    Technologische Fortschritte liefert die Integration von NVIDIA CUDA-Q und cuQuantum. Ein eigens entwickelter Simulator für Aqarios‘ proprietären Quantenalgorithmus FlexQAOA erreichte in einem Benchmark eine rund 87-fache Beschleunigung gegenüber dem herkömmlichen Quantenalgorithmus für Optimierung. Damit ließ sich auf einer einzelnen NVIDIA RTX 4090 ein Optimierungsproblem aus dem Energiesektor von E.ON mit bis zu 88 binären Variablen simulieren; ein Äquivalent zu 130 Qubits bei herkömmlichen Algorithmen. Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial spezialisierter Software.

    Zusätzlich ermöglicht Luna den Zugriff auf IBM-Quantenprozessoren der Generationen Heron und Nighthawk. Anwender können Berechnungen zunächst simulieren und anschließend auf realer Quantenhardware testen. Mit u. a. BASF, E.ON und MTU Aero Engines verweist Aqarios bereits auf namhafte Projektpartner aus der Industrie.

    Auch am Kapitalmarkt hat das mit rund 40 Mio. EUR kapitalisierte Unternehmen einen Meilenstein erreicht. Im Juli 2026 wurde die SPAC-Transaktion mit Fonterelli SPAC 4 abgeschlossen. Seither ist Aqarios als Aqarios Quantum Technologies AG am Kapitalmarkt vertreten.

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    Infineon – KI-Rechenzentren treiben das Chipgeschäft an

    Der Ausbau von KI-Rechenzentren eröffnet Infineon neue Wachstumschancen. Der Münchner Halbleiterkonzern profitiert insbesondere von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähigen und energieeffizienten Stromversorgungssystemen. Denn mit der Rechenleistung wachsen auch Stromverbrauch, Wärmeentwicklung und die Anforderungen an die Energieumwandlung. Genau hier besitzt Infineon mit seinen Leistungshalbleitern eine starke Marktposition.

    Die operative Entwicklung liefert handfeste Argumente. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,172 Mrd. EUR. Das Segmentergebnis erreichte 797 Mio. EUR, die entsprechende Marge lag bei 19,1 %. Damit fielen Umsatz und Profitabilität höher aus als die im ursprünglichen Bericht genannten 3,81 Mrd. EUR beziehungsweise 17,1 %.

    Für das vierte Geschäftsquartal stellte das Management Anfang August einen Umsatzanstieg um gut 13 % auf rund 4,7 Mrd. EUR in Aussicht. Die Segmentergebnis-Marge sollte dabei etwa 23 % erreichen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 wurde ein Umsatz von rund 16,3 Mrd. EUR prognostiziert.

    Neben Rechenzentren bleiben Elektromobilität, Industrieelektronik und Sicherheitslösungen wichtige Absatzmärkte. Allerdings entwickelt sich die Nachfrage nicht in allen Bereichen gleich stark. Während das KI-Geschäft wächst, bleibt das klassische Industrie- und Automobilgeschäft stärker von der Konjunktur abhängig.

    Auch Analysten sehen Chancen, bewerten das Tempo der Erholung jedoch unterschiedlich. Susquehanna senkte am 21. Oktober das Kursziel von 100 auf 85 EUR, bestätigte aber die positive Einstufung. Barclays hielt Anfang Oktober an „Overweight“ mit 90 EUR fest.

    SAP verdient bereits Milliarden mit Cloud-Software und integriert Künstliche Intelligenz zunehmend in seine Produkte. Infineon liefert die Halbleiter, ohne die leistungsfähige Rechenzentren nicht funktionieren. Aqarios Quantum Technologies setzt dagegen mit einer Software, die klassische Optimierung mit Quantenverfahren verbindet, auf ein früheres Entwicklungsstadium.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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