12.11.2025 | 04:15
Zeit für smarte Käufer! Jetzt bei thyssenkrupp, Plug Power, Nel ASA, Pure Hydrogen oder nucera einsteigen?
So eine Volatilität gibt es an den Börsen selten. Nach monatelangem Aufwärts wurde in den letzten Tagen auch mal das Potenzial nach unten getestet. Anleger brauchen nun starke Nerven und einen klaren Blick auf das Wesentliche. Denn rasch werden in wenigen Tagen Überbewertungen abgebaut, auch wenn sich der Kursaufbau über Monate hingezogen hat. Kluge Investoren arbeiten mit sogenannten Trailing-Stopps, die sich automatisch mit steigenden Bewertungen nach oben verändern. Der automatisierte Ausstieg erfolgt dann im Optimalfall eben an der zuvor prozentual festgelegten Verlustschwelle von oben. Im Bereich Wasserstoff haben sich die Kurse erratisch bewegt. Wo sollten Anleger nun tätig werden?
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
PURE HYDROGEN CORPORATION LIMITED | AU0000138190 , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , THYSSENKRUPP NUCERA AG & CO KGAA | DE000NCA0001 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Plug Power und Nel ASA – Das könnte eine Bodenbildung werden
Der Wasserstoff-Sektor ist mit seinen Haupt-Protagonisten Plug Power und Nel ASA in eine höchst volatile Marktphase eingetreten. Obwohl nach Monaten der Dürrezeit nun schöne Aufträge verzeichnet werden können, schwankt die Bewertung von Branchenprimus Plug Power um hunderte Millionen USD täglich hin und her. Technisch hat sich nach Verlassen der Ausverkaufszone von 0,75 bis 1,25 USD nach nun drei geglückten Kapitalerhöhungen eine neue Unterstützungsbasis zwischen 1,75 und 2,25 USD gebildet. Ein erster heftiger Ausbruchsversuch brachte den Kurs mit über 200 % Plus in nur 10 Handelstagen auf 4,70 USD nach oben. Doch tragischerweise führte der Ausverkauf der letzten 3 Wochen mit 50 % Abschlag den Preis wieder bis auf die Ausbruchszone bei 2,35 USD nach unten. Viele Anleger dürften daher wieder aus der Aktie gestoppt worden sein. Analytisch gesehen bildet die aktuelle Marktkapitalisierung von 3,3 Mrd. USD ca. zwei geschätzte Umsätze des Jahres 2027 ab. Damit hat sich der KUV-Multiple gegenüber früheren Hype-Bewertungen zumindest normalisiert. Die Hoffnung auf wieder anziehende Bewertungen in einem zukünftigen Energiewende-Boom sind nun wieder gegeben. Auch Trader haben an der hohen Kursdynamik sicherlich ihre Freude.
Beim norwegischen Mitstreiter Nel ASA geht es unwesentlich ruhiger zur Sache. Das Unternehmen konnte mit einem 50 Mio. USD-Auftrag von Kaupanes Hydrogen AS und HyFuel AS in Norwegen in den letzten Tagen von 2,15 auf 2,75 NOK durchstarten. Die Börse feierte offenbar den zweitgrößten Einzelauftrag, den Nel je erhalten hat. Die neue 40 MW-Wasserstoffproduktionsanlage wird auf der Offshore-Versorgungsbasis in Florø errichtet. Im Langfrist-Chart könnte das die Initialzündung für einen gelungenen Turnaround sein. In der Aktie gibt es seit Jahren eine treue Aktionärsgemeinde. Wäre schön, wenn Nel ASA nach über 80 % Kursverlust in den letzten 3 Jahren sich wieder als Protagonist grüner Energieprojekte in Europa einen festen Stand an den Kapitalmärkten zurückerobern kann. Wir nehmen Plug Power und Nel ASA auf die engere Watchlist, denn sie bieten im gehypten KI-HighTech-Umfeld eine willkommene Diversifikation.
Pure Hydrogen – Innovation und Nachhaltigkeit als Treiber globalen Wachstums
Plug Power und Nel ASA stoßen mit Pure Hydrogen in Australien auf einen spezialisierten Mitbewerber. Denn das Unternehmen positioniert sich zunehmend als ein strategisch interessanter Player im internationalen Wasserstoffsektor. Mit einem technologieoffenen Ansatz unterscheiden sich die Australier dabei klar von vielen Mitbewerbern. Im Fokus steht sowohl die Produktion von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien als auch die Entwicklung türkiser H2-Technologien auf Basis der Methan-Pyrolyse bis hin zu Smaragd-Wasserstoff-Lösungen mit einem angestrebten negativen CO2-Fußabdruck. Pure Hydrogen entwickelt nicht nur den Wasserstoff selbst, sondern auch die nachgelagerte Anwendungstechnologie, von Nutzfahrzeugen über Generatoren bis hin zu mobilen Betankungssystemen. Durch Partnerschaften mit Botswana H₂ und Botala Energy sichert sich Pure Hydrogen zudem Zugang zu afrikanischen Wachstumsregionen.
Die vorliegenden Zahlen zum Gesamtjahr 2024/25 (30.06.2025) zeigen einen Umsatzanstieg von 156 % auf 4,55 Mio. AUD, operativ erzielte man im Schlussquartal einen operativen Cashflow von 409.000 AUD. Zusammen mit einer Kapitalerhöhung über 1 Mio. AUD hievt das die Kassenlage zum Stichtag auf über 2 Mio. AUD. Das gute Wachstum setzt sich auch im ersten Quartal weiter fort. Neue Vertriebsabkommen mit FRN Enterprise in Argentinien und Hydrogen Diesel Electric Australia erweitern die geografische Reichweite des Unternehmens sowohl in Südamerika als auch im Heimatmarkt. Parallel baut Pure Hydrogen über die Kooperation mit der GTS Group in Kalifornien seine Präsenz in den USA aus, einem Schlüsselmarkt für emissionsfreie Schwerlastmobilität. Auch auf Kundenseite gewinnt das Unternehmen an Traktion. Bestellungen in Millionenhöhe von Scott Lovatt Transport und Heidelberg Materials Australia belegen die wachsende Marktakzeptanz. Das Interesse von Riverview International Trucks an wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeugen deutet zudem auf ein mögliches Einstiegsszenario in den nordamerikanischen Kommunalfahrzeugmarkt hin. Die Aktie hat nach starken Gewinnen seit März seine Dynamik etwas verlangsamt. Mit Kursen um 0,085 AUD ist das Unternehmen jetzt mit rund 32 Mio. AUD bewertet. Im Vergleich zum Sektor ist Pure Hydrogen damit extrem günstig.
thyssenkrupp nucera – Es geht langsamer als gedacht
Unter großen Erwartungen hat thyssenkrupp im Juli 2023 seine Wasserstoff-Tochter nucera im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet. Mit einem Ausgabepreis von 20 EUR generierte die Abspaltung für die Tochter Bruttozuflüsse von 526 Mio. EUR, eine solide Kapitalinjektion für weiteres Wachstum. Strategisch möchte sich thyssenkrupp nucera als einer der am besten positionierten Player im Elektrolysemarkt für grünen Wasserstoff positionieren. Das ist nicht nur eine ausgerufene Parole, sondern wird mit Technologie „Made in Germany“ weltweit unter Beweis gestellt. Das Unternehmen verfügt mit über 10 GW installierter Leistung im Chlor-Alkali-Bereich bereits über ein langjährig profitables Kerngeschäft, das die ambitionierte Wachstumsstrategie im Wasserstoffsegment finanziell absichert. Internationales Renommee erhält man durch Großprojekte wie z.B. NEOM in Saudi-Arabien, bei dem eine Elektrolyseanlage mit einer Leistung von mehr als 2 Gigawatt zur Produktion von grünem Wasserstoff errichtet wird. Geliefert werden hier flexible 20-MW-Elektrolyse-Module für die alkalische Wasserelektrolyse. Der entstehende Wasserstoff wird anschließend zu klimaneutralem Ammoniak synthetisiert und über den Partner Air Products global exportiert. Die Inbetriebnahme des Projekts ist für das Jahr 2026 geplant.
Nach 9 Monaten erreicht thyssenkrupp nucera mit 9 % Umsatzanstieg operativ zwar die Pluszone, doch letztlich gelingt im EBIT nur ein kleiner Überschuss von 4 Mio. EUR. Für das Gesamtjahr erwartet das Management Erlöse von 850 bis 920 Mio. EUR Umsatz und ein ausgeglichenes Ergebnis. Deutsche Bank Research hat das Rating im Oktober beim unveränderten Kursziel von 12 EUR von "Buy" auf "Hold" zurückgenommen. Bemängelt wird die langsame Auftragsgenerierung beim Thema "Grüner Wasserstoff", worauf die Umsatzschätzung für 2025/26 um 30 % niedriger angesetzt wird. Auf der Plattform LSEG halten nur noch 6 von 13 Analysten den Daumen nach oben, erwartet wird dennoch ein 12-Monatskursziel von im Schnitt 11,85 EUR. Vom aktuellen Kurs bei rund 8,45 EUR sind das immerhin 40 % Upside – nach der heftigen Korrektur zuletzt ist das jetzt wieder hochinteressant.

Der Wasserstoff-Sektor hat in den letzten Jahren seine Relevanz im Beitrag zur Klima-Neutralität eindrucksvoll ausbauen können. Im Vergleich zu anderen Energieerzeugungsmethoden müssen H2-Technologien aber noch deutlich günstiger werden. Beeindruckend sind dennoch die ausgewählten Projekte der Branchen-Protagonisten. Während Plug Power und Nel ASA dringend mehr öffentliche Aufträge benötigen, kann Pure Hydrogen als international tätiger Lösungsanbieter auftrumpfen. Die Konsolidierung im Sektor beschert gute Einstiegsniveaus.
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