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26.07.2022 | 04:44

Crash-Aktien: BASF, Meta Materials, Uniper, Nordex – Gibt es ein Comeback à la Tesla?

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Bildquelle: pixabay.com

In Aktienmarkt-Korrekturen, die aus der Zins- und Inflationsseite kommen, ist es entscheidend, wann sich das Verhältnis zwischen Teuerung und Kapitalmarktrendite wieder normalisiert. Im langen NASDAQ-Aufschwung von 2019 bis 2021 verdoppelten sich die Bewertungen, weil zukünftige Cashflows mit Minimalzinsen auf den Barwert heruntergerechnet wurden. Das lies die möglichen Marktkapitalisierungen explodieren, auch gehebelte Positionen konnten quasi kostenlos eingegangen werden. Aktuell stellt sich der Markt von einer anderen Seite dar. Negative Realzinsen, hohe Refinanzierungskosten und vermehrte Margin Calls drücken auf das Gemüt der Anleger. Einige Aktien erlebten einen regelrechten Crash – kommen sie demnächst wieder zurück wie Tesla?

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: Meta Materials Inc. | US59134N1046 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , UNIPER SE NA O.N. | DE000UNSE018 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554

Inhaltsverzeichnis:


    BASF – Zehn Prozent vom Tief entfernt

    Diese Woche wird es richtig spannend beim größten europäischen Chemiekonzern. Denn der Vorstand steht am Mittwoch Rede und Antwort zu den Zahlen des zweiten Quartals. Der Ludwigshafener Chemieriese BASF ist einer der größten Gasverbraucher in Deutschland, bislang gab es aber noch keine Liefereinschränkungen. Trotzdem wird der CEO Martin Brudermüller auf die drohenden Versorgungsengpässe und deren Folgen für die Produktion näher eingehen müssen. Die Aktionäre sind nach 45% Kursverlust in 2022 stark verunsichert, auch die jüngste Erholungsbewegung beim DAX hat nur zu einem 10%-Anstieg genügt.

    Vorab hatten die Ludwigshafener bereits überraschend gute Eckdaten veröffentlicht, sich aber nicht näher zur Gesamtjahresprognose geäußert. So hielt der DAX-Konzern vor drei Wochen weiter an seiner Prognose für das Geschäftsjahr 2022 fest. Der Umsatz wird sich demnach auf 74 bis 77 Mrd. EUR belaufen, das EBIT vor Sondereinflüssen könnte zwischen 6,6 und 7,2 Mrd. EUR landen, so die Taxierung des Managements. Hier sollte es genauere Aussagen am Mittwoch geben. Analysten erwarten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 1,94 EUR, das ist gegenüber dem ersten Quartal 2021 ein Rückgang von etwa 5%.

    Die Aktie befindet sich aktuell in Warteposition, ist aber in der Zone 41 bis 45 EUR auch gut unterstützt. Wer den Langfristchart jetzt schon als günstig erachtet, kauft die ersten Stücke und legt einen Stop bei 38,70 EUR hinzu. Investoren sollten das Gas-Thema aber auf dem Radar haben, genauso droht wegen sinkender Gewinne auch eine kleine Dividendenkürzung im kommenden Jahr. Mehr Hintergrundinfos bietet auch ein brandneuer Report zu BASF von researchanalyst.com.

    Meta Materials – Große Kapitalerhöhung zu tiefen Kursen

    In Tagen der Energieknappheit und der Steigerung von industriellen Wirkungsgraden rücken wieder Technologie-Unternehmen in den Fokus, die durch ihre Patente effizientere Prozesse möglich machen. War es noch vor einigen Jahren schick, alles viel leichter und beständiger zu bauen, so zählt heute die Energie-Effizienz und die Unabhängigkeit von der Petrochemie. Bei der Technologieschmiede Meta Materials dreht sich alles um Beschichtungen auf Glas, Baukörper und sonstigen Elementen. Auch sinnvoll verbaute Antennen und Tarnkappen für die Rüstung stehen seit einiger Zeit auf dem Lösungskatalog. Jetzt will der Spezialist für Beschichtungen und zukunftsorientierte Materialen auch im Bereich E-Mobilität aufschlagen.

    Mit dem Partner-Unternehmen Coulometrics will Meta Batterien für E-Autos sicherer, beständiger und leistungsfähiger machen. Gerade in dieser Branche ist man wegen der noch geringen Leistungsfähigkeit der Aggregate auf disruptive Technologien angewiesen, die in der Lage sind, neue Denkansätze zu liefern und Branchen nachhaltig zu verändern. Tesla forscht schon seit Jahren intensiv in diesem Bereich, hat aber bislang über die gängige Li-Ionen-Batterie keine wesentlichen Fortschritte erzielt. Die Anforderungen sind neben richtig längerer Lebensdauer und auch die Recyclingfähigkeit.

    Die Entwicklungen von META®-Materials lassen sich in die drei Bereiche Holografie, Lithografie und drahtlose Sensorik mit starker IT-Vernetzung und Implementierung von künstlicher Intelligenz einteilen. "Mit den jüngsten strategischen Akquisitionen von Plasma App und Optodot in Kombination mit unserer Produktionsanlage für die Roll-to-Roll-Dünnfilmbeschichtung in Quebec verfügen wir nun über die Möglichkeit, Li-Ionen-Batterien sicherer und effizienter zu machen", sagte George Palikaras, Präsident und CEO von META.

    Ende Juni füllte das Unternehmen seine Kasse kräftig auf. In einem direkten Platzierungs-Angebot warb man durch den Verkauf von 37,037 Mio. Aktien und Warrants eine Bruttosumme von etwa 50 Mio. USD ein. In den aktuell stürmischen Zeiten ist dies ein klarer Beweis für das Vertrauen der Investoren in die zukünftige Marktstellung von META®-Materials. Das Unternehmen meldet zwar permanent gute Fortschritte, kam aber trotzdem im letzten NASDAQ-Ausverkauf mit aktuell bis auf 0,95 USD ordentlich unter die Räder. Am 9. August gibt es nachbörslich die Q2-Zahlen und am Folgetag einen Webcast, da kann es positive Überraschungen geben. Positionieren sie sich rechtzeitig für den Dreh nach oben.

    Uniper und Nordex – Augen zu und durch?

    Wir berichten an dieser Stelle immer regelmäßig zu potentiellen Turnaround-Kandidaten. Die folgenden Werte sind aber abgestürzt und erst mal am Boden liegengeblieben.

    Bei Nordex belasten die fortwährenden Kapitalerhöhungen, die für den langfristigen Investor immer wieder eine Nachfinanzierung bedeuten, wenn er seinen Anteil halten will. Der Großaktionär Acciona hat aber immer korrekt mitgezogen, dennoch verunsichert die Häufigkeit. Immerhin stand der Greentech-Titel zu Anfang des Jahres noch 100% höher. Man muss schon viel Phantasie aufbringen, wenn es kurzfristig wieder dort hingehen soll, denn jüngst meldete Nordex, dass man wahrscheinlich in 2022 keine positive Marge erreichen wird, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Am 11.08.2022 gibt es Zahlen zum 2. Quartal, das dürfte sehr spannend werden. Warten sie den Bericht ab!

    Bei Uniper kam es jetzt endlich zur staatlichen Rettungsaktion. Vom 14. Juni bis zum 30. September werde sich das wirtschaftliche Minus voraussichtlich auf 6,2 Mrd. EUR belaufen, sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach am letzten Freitag. Die Annahme beruhe unter anderem auf den aktuellen Marktpreisen und könne sich auch noch ändern. Insgesamt springt der Bund wohl mit 15 Mrd. EUR zur Seite, davon könnten 8 Mrd. EUR als reines Eigenkapital fließen. Nach der Transaktion ist Berlin aber mit mehr als 30% beteiligt. Als Voraussetzung sichert Uniper dem Staat darüber hinaus zu, die Gehälter für den Konzernvorstand zu beschränken und keine Dividenden mehr an Aktionäre auszuzahlen. Auch der Verbraucher ist am Bailout beteiligt, denn ab Oktober zahlen alle Gasverbraucher eine Umlage für die dramatisch gestiegenen Gasbeschaffungskosten in Deutschland. Die Aktie verlor in nur drei Tagen fast 50% ihres Kurswertes und wurde im Rating kräftig abgestuft. Bis eine neue Bewertungsgrundlage gefunden ist, raten wir zur Zurückhaltung.


    Die Abwärtskorrekturen sind noch nicht beendet. Auch wenn die Märkte zu temporären Erholungen fähig sind, bleibt der Abgabedruck in Antizipation höherer Zinsen, Inflation und schlechterer Konjunkturentwicklung gegeben. BASF, Nordex und Uniper sind Beispiel für sogenannte „Fallen Angels“, hier sollte noch ein wenig abgewartet werden. Bei Meta Materials könnte bei den anstehenden Zahlen eine positive Überraschung lauern.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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