19.01.2026 | 05:00
Das Netflix der Autowäsche: Wie Mister Car Wash den Markt neu erfindet und WashTec zum Angriff auf Dover bläst
Der nordamerikanische Markt für Fahrzeugpflege erlebt derzeit eine Entwicklung, die in ihrer radikalen Konsequenz an den Wandel der Softwareindustrie vor zehn Jahren erinnert. Das alte Modell der wetterabhängigen Einzelwäsche, bei dem der Umsatz mit dem Regen fällt, wird abgelöst durch die berechenbare Profitabilität der „Subscription Economy“. Getrieben wird dieser Trend durch den phänomenalen Erfolg der US-Kette Mister Car Wash, die bewiesen hat, dass Amerikaner bereit sind, für saubere Autos ein monatliches Abo abzuschließen – ähnlich wie für Streaming-Dienste. Doch dieser Goldrausch erzeugt einen massiven technologischen Druck auf die Betreiber von Tankstellen und unabhängigen Waschstraßen. Sie müssen aufrüsten, um im Wettbewerb zu bestehen. In diesem Kampf um die Vorherrschaft bei der Infrastruktur fordert der deutsche Hidden Champion WashTec nun den US-Platzhirschen Dover Corporation auf dessen Heimatmarkt heraus. Die Augsburger liefern genau jene digitale Technologie, die es dem breiten Markt ermöglicht, das Erfolgsmodell von Mister Car Wash zu kopieren - und könnten damit die Machtverhältnisse in der Branche nachhaltig verschieben.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
WASHTEC AG O.N. | DE0007507501 , DOVER CORP. DL 1 | US2600031080 , MISTER CAR WASH INC | US60646V1052
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Mister Car Wash: Die Macht der wiederkehrenden Umsätze
Um die Dynamik des Sektors zu verstehen, muss man auf die Zahlen von Mister Car Wash blicken. Das Unternehmen hat die „Unit Economics“ der Branche neu definiert. Wie aus den Unternehmensberichten hervorgeht, verfügte Mister Car Wash im dritten Quartal 2025 bereits über beeindruckende 2,2 Millionen Mitglieder im „Unlimited Wash Club“ (UWC). Diese Abonnenten sind das finanzielle Rückgrat des Konzerns und generieren mittlerweile große Teile des Gesamtumsatzes.
Für Investoren ist dieses Modell der „Heilige Gral“: Es eliminiert die Volatilität und macht Cashflows prognostizierbar. Ein Kunde, der ein Abo besitzt, wäscht sein Auto öfter, bindet sich an die Marke und sorgt für eine konstante Auslastung der Anlagen. Der Erfolg von Mister Car Wash zwingt den gesamten restlichen Markt zur Adaption: Wer heute in den USA keine Abo-Option anbietet, verliert den Anschluss an die kaufkräftigste Kundengruppe. Doch um Tausende von Abos zu verwalten und ein reibungsloses „Drive-Through-Erlebnis“ zu garantieren, reicht die alte Münz-Technik nicht mehr aus. Es bedarf vernetzter High-Tech-Anlagen.
Dover Corporation: Der Platzhirsch könnte unter Druck kommen
Bislang war dieser Markt für technologische Infrastruktur fest in der Hand der US-amerikanischen Dover Corporation. Über seine Sparte „Vehicle Service Group“ dominiert der Konzern die Werkstätten und Waschstraßen Nordamerikas. Die Strategie von Dover zielt primär auf die Maximierung der Maschinenverfügbarkeit, im Fachjargon „Uptime“ genannt. Denn im Abo-Zeitalter ist ein Stillstand der Anlage kein bloßes Ärgernis mehr, sondern für Kunden ein direkter Kündigungsgrund.
Dover setzt daher massiv auf seine Cloud-Plattform „Site IQ“, die eine Fernüberwachung der Anlagen ermöglicht. Durch strategische Zukäufe verteidigt der Konzern seine Marktstellung und versucht, die Kunden in seinem Ökosystem zu halten. Doch die Technologie von Dover wird oft als proprietär und starr wahrgenommen, was eine Flanke für agilere Wettbewerber öffnet, die offene und flexible Lösungen für unabhängige Betreiber anbieten.
WashTec: Der digitale Angriff aus Augsburg
Genau in diese Lücke stößt die WashTec AG mit einer aggressiven Digitaloffensive. Das Unternehmen versteht sich nicht mehr nur als Maschinenbauer, sondern als Technologiepartner für digitale Geschäftsmodelle. Zentrale Bausteine dieser Strategie sind laut Unternehmensangaben die Fernwartungslösung „SmartCare“ und vor allem die Plattform „EasyCarWash“, die es jedem Tankstellenbetreiber ermöglicht, per App ein eigenes Abo-System zu betreiben – ohne Millionen in eigene Softwareentwicklung stecken zu müssen. WashTec demokratisiert damit das Erfolgsgeheimnis von Mister Car Wash für den Massenmarkt.

Wird die WashTec-Aktie zum deutschen Exportschlager?
Untermauert wird dieser Anspruch durch starke operative Zahlen. Wie Finanzwire berichtet, konnte WashTec im dritten Quartal 2025 mit einem EBIT-Wachstum von 35,8 % glänzen, was die erfolgreiche Transformation des Geschäftsmodells belegt. Ein entscheidender strategischer Schachzug war zudem die Partnerschaft mit dem Digital-Spezialisten „Superoperator“, die WashTecs Fähigkeiten in der Vernetzung und im digitalen Kundenmanagement massiv erweitert hat. Mit diesem Paket greift WashTec Dover direkt an: Man bietet den Kunden nicht nur Stahl und Bürsten, sondern den Schlüssel zu wiederkehrenden Einnahmen. Für Investoren ist WashTec damit die spannende Wette auf den „Pick-and-Shovel“-Play im US-Waschmarkt: Während sich die Betreiber einen Preiskampf um Abonnenten liefern, verkauft WashTec die unverzichtbare Technologie an alle, die gegen den Giganten Mister Car Wash bestehen wollen.
Die Aktie läuft seit einem halben Jahr prächtig und könnte nach und nach die Verlaufshochs aus den Jahren 2021 und 2018 ins Visier nehmen. In Zeiten, in denen KI-Titel ambitioniert bewertet werden, liefert WashTec ein solides Geschäft mit Digitalisierungs-Chancen. Hinzu kommt die Dividendenrendite von annähernd 5 %. Die WashTec-Aktie könnte einer der deutschen Exportschlager des Jahres 2026 werden.
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