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01.08.2022 | 05:10

Öl am Beginn eines Superzyklus - Exxon Mobil, Saturn Oil + Gas, Chevron

  • Öl
  • Rohstoffe
Bildquelle: pixabay.com

Der Strom der Zukunft wird einzig durch Wind und Sonne gewonnen, zudem überschwemmen nur noch mit Batterie betriebene Elektroautos die Autobahnen. Das fossile Zeitalter hat endlich ausgedient und ist durch die Erneuerbaren Energien ein für alle Mal ersetzt worden. Diese Worte könnten sowohl aus dem Parteiprogramm der Grünen, als auch aus einem Märchenbuch der Gebrüder Grimm entstammen. Denn die Realität sieht anders aus. Noch immer dominieren mit rund 80% fossile Brennstoffe den weltweiten Energiemix, während Photovoltaik- und Windkraftanlagen weiter an der 5%-Hürde scheitern. Damit steht die Menschheit eher am Anfang als am Ende eines neuen Öl-Superzyklus.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: Saturn Oil + Gas Inc. | CA80412L8832 , EXXON MOBIL CORP. | US30231G1022 , CHEVRON CORP. DL-_75 | US1667641005

Inhaltsverzeichnis:


    Exxon Mobil – Nutznießer des Ukrainekrieges

    Dass die Ölmultis in Folge des Ukraine-Konflikts und dadurch explodierenden Öl- und Gaspreisen Rekordergebnisse einfahren würden, war durchaus zu erwarten. Mit Exxon Mobil präsentierte nun der größte US-amerikanische Mineralölkonzern das Zahlenwerk zum zweiten Quartal. Wie der Pressemeldung Ende der vergangenen Woche zu entnehmen war, steigerten die US-Amerikaner ihren Gewinn um 17,9 Mrd. USD oder 4,21 USD je Aktie, was mehr als einer Vervierfachung gegenüber dem zweiten Quartal aus dem Jahr 2021 gleichkommt. Damals sprudelten lediglich 4,70 Mrd. USD in die Kassen. Jedoch erhöhte Exxon die Ölproduktion im Vergleich zum Vorquartal nur um bereinigte 4% auf 3,7 Mio. Barrel pro Tag.

    Die liquiden Mittel stiegen im zweiten Quartal um 7,8 Mio. USD, da der starke Cashflow aus dem operativen Geschäft die Kapitalinvestitionen und die Ausschüttungen an die Aktionäre mehr als deckte. Der freie Cashflow belief sich im Quartal auf 16,9 Mrd. USD. Insgesamt wurden an die Aktionäre 7,6 Mrd. USD ausgeschüttet, einschließlich Dividenden in Höhe von 3,7 Mrd. USD.

    Darren Wood, Chairman und CEO von Exxon äußerte sich zu den Rekordergebnissen: „Das Ergebnis und der Cashflow profitierten von einer gesteigerten Produktion, höheren Realisierungen und einer strengen Kostenkontrolle. Die starken Ergebnisse des zweiten Quartals spiegeln unsere Konzentration auf die Grundlagen und die Investitionen wider, die wir vor einigen Jahren auf den Weg gebracht haben und die wir auch in der Zeit der Pandemie beibehalten haben.“

    Saturn Oil & Gas – Wachstum und Schuldenabbau parallel

    Die Angst vor einer tiefen Rezession wächst, der Dollar wird stärker und die Zahl der Corona-Fälle nehmen in China, dem zweitgrößten Ölverbraucher der Welt, weiter zu. Aufgrund dessen korrigierte der Ölpreis in den vergangenen Wochen um rund 28%. Kurzfristig könnte die Korrektur noch anhalten, auf langfristiger Sicht dürfte das schwarze Gold einen weiteren Anlauf zu neuen Höhen unternehmen. So werden die fundamentalen Rahmenbedingungen mit Lieferengpässen der OPEC+, niedrige Lagerbestände, schwindende Kapazitätsreserven und eine wieder ansteigende Nachfrage, vor allem aus China, die Kurse beflügeln. Die Analysten der Internationalen Energieagentur (IEA) und der US Energy Information Administration (EIA) rechnen damit, dass die weltweite Ölnachfrage 2023 um mindestens 2 Mio. Barrel pro Tag auf 101,3 Mio. bzw. 101,6 Mio. Barrel pro Tag steigen wird.

    Das Angebot wird auch dadurch vermindert, da sich die großen Ölmultis für eine Transformation zu grüner Energie mehr oder minder verpflichtet haben. Das in Saskatchewan tätige Energieunternehmen Saturn Oil & Gas nahm sich dem Problem des knappen Angebots an und tätigte in den vergangenen Monaten mehrere kluge strategische Akquisitionen, die die Produktionskapazität innerhalb eines Jahres von rund 600 BOE pro Tag auf künftig 12.000 BOE pro Tag explodieren lassen werden.

    Durch die Übernahme des kürzlich abgeschlossenen Viking-Projekts wächst der Gesamtbestand auf über 500 Bohrlöcher und vor allem der hohe Cashflow führt zu einer schnellen Schuldenreduzierung. Zum 30.06.2022 ist das Unternehmen noch mit ca. 223 Mio. CAD verschuldet, bis zum Jahresende sollen diese auf 183 Mio. CAD gesenkt werden. 2024 will der kanadische Produzent dann schuldenfrei sein. Durch die abgeschlossene Transaktion wurden zudem die Prognosen noch einmal angepasst. So rechnet die Unternehmensführung 2023 mit einem Cashflow von 223 Mio. CAD, was rund 3,98 CAD pro Aktie entspräche.

    Dagegen verläuft die Entwicklung der Saturn-Aktie untertrieben ausgedrückt mehr als enttäuschend. Mit 2,45 CAD notiert der Kurs auf dem Niveau vor den getätigten Transaktionen. Ein Grund der schwachen Performance dürften die für die Übernahmen getätigten Kapitalerhöhungen gewesen sein, die eine Verwässerung der Altaktionäre zur Folge hatten. Dennoch sollte jedem langfristigen Investor ein eher kleiner Teil eines Kuchens lieber sein als die gesamte, deutlich weniger wertvolle Torte. Nachdem nun von Seiten des Managements, allen voran CEO John Jeffrey, die neue Marschroute verkündet wurde, ab jetzt nur noch organisch zu wachsen, dürfte sich der Wert der Liegenschaften in den kommenden Ergebnissen widerspiegeln, was zur Folge haben dürfte, dass sich die Aktie im Peer-Group-Vergleich von der Bewertungsseite an die Konkurrenz angleicht. Die Analysten von Eight Capital erkannten das Potenzial von Saturn Oil & Gas und vergaben in ihrer initialen Studie ein Kaufurteil mit einem Kursziel von 7,50 CAD, was ein Kurspotenzial von mehr als 200% zur Folge hätte. Näher durchleuchtet wird die kürzlich getätigte Akquisition der Viking-Gebiete zudem in einem aktualisierten Report.

    Chevron – Mit Rekord ins zweite Halbjahr

    Ebenfalls mit Rekorden glänzen konnte ein weiterer US-amerikanischer Energiekonzern. Das Dow Jones-Unternehmen fuhr in den Monaten April bis Ende Juni einen Gewinn von 11,6 Mrd. USD ein, was einen Gewinn je Aktie von 5,95 USD je Aktie bedeutet. Im zweiten Quartal des Vorjahres betrug der Gewinn lediglich 3,1 Mrd. USD oder 1,60 USD je Aktie. Die Umsätze und sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich im zweiten Quartal 2022 auf 65 Mrd. USD gegenüber 36 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum.

    Zudem beschloss das Board of Directors, eine Bardividende für das dritte Quartal in Höhe von 0,88 USD, welche gleich hoch der des zweiten Quartals liegt. Damit lässt Chevron seine Aktionäre seit über 100 Jahren am Erfolg teilhaben und hat seine jährliche Dividendenausschüttung an die Aktionäre in 39 aufeinanderfolgenden Jahren erhöht.


    Obwohl Öl aufgrund der Rezessionsängste korrigiert, dürfte das schwarze Gold aufgrund eines zu geringen Angebots und einer steigenden Nachfrage vor einem Superzyklus stehen. Saturn Oil & Gas konnte durch mehrere Akquisitionen seinen Cash Flow deutlich steigern und ist im Branchenvergleich unterbewertet. Exxon und Chevron zeigten Rekordergebnisse.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war unter anderem als CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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