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24.10.2022 | 04:44

US-Aktien Bilanzsaison: Netflix, Snap, Meta Platforms, Aspermont – Geht es explosiv weiter?

  • Technologie
  • FAANG
  • Rohstoffe
Bildquelle: pixabay.com

Mitten im Oktober startete die Bilanzsaison für das 3. Quartal in den USA. Diese Zeit ist höchstspannend, denn Bewegungen von bis zu 25% oder mehr sind keine Seltenheit, wenn ein NASDAQ-Titel grob von seiner Guidance abweicht. Nach Jahren der Glückseligkeit im Tech-Bereich hat sich zudem ein neuer Parameter in die Bewertung von Wachstumstiteln eingeschlichen: Der Zins. Diskontierte Cashflows in der Zukunft bilden den heutigen Wert einer Aktie ab. Werden diese nach unten korrigiert und wegen gestiegener Zinsen mit höheren Abschlägen bewertet, kann das im Ernstfall größere Kurskorrekturen auslösen. Natürlich gilt dieses Szenario auch für Überraschungen nach oben. Ein Anlass für weitere Recherchen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: André Will-Laudien
ISIN: ASPERMONT LTD | AU000000ASP3 , NETFLIX INC. DL-_001 | US64110L1061 , SNAP INC. CL.A DL-_00001 | US83304A1060 , FACEBOOK INC.A DL-_000006 | US30303M1027

Inhaltsverzeichnis:


    Hui und pfui – Neflix und Snap haben schon vorgelegt

    In der letzten Woche legten schon die ersten Werte vor. Wie immer gab es Licht und Schatten. Bei Netflix stehen die Ampeln seit dem 19. Oktober wieder auf Grün. Unter anderem dank des Erfolgs von Serien wie "Stranger Things" und "Dahmer" stieg die Zahl der Nutzer im abgelaufenen Quartal weltweit um 2,4 auf insgesamt 223,1 Mio., Analysten hatten nur mit einem Plus von rund 1 Mio. gerechnet. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen nun 4,5 Mio. neue Verträge an. Im ersten Halbjahr hatte Netflix 1,2 Mio. Kunden verloren, weil der Druck von Konkurrenten wie Amazon Prime oder Disney Plus wuchs. Die NFLX-Aktie hat eine der stärksten Wochen hinter sich und legte allein im Oktober 38% zu. Mit einer Marktkapitalisierung von 128 Mrd. USD wird der Umsatz wieder mit Faktor 4 bewertet, das KGV 2023e liegt bei 27,5. Hier ist schon wieder viel Hoffnung auf gute Geschäfte eingepreist.

    Anders lief es bei SNAP. Die Social Media-Plattform berichtete bereits zum 4. Quartal und erreichte auf Jahresbasis einen nur leicht gestiegenen Umsatz von 1,13 gegenüber 1,07 Mrd. USD. Unter dem Strich stand ein stark erhöhter Verlust von 359,5 nach 71,9 Mio. USD im Vorjahr. Insgesamt zeigte SNAP damit das bisher langsamste Umsatzwachstum seit dem Börsengang im Jahr 2017. Das Unternehmen hat es gegen Rivalen wie Tiktok nicht leicht, denn es geht um den wichtigen Kuchen der Online-Werbeeinnahmen. Jugendliche Nutzer favorisieren seit zwei Jahren mehr den chinesischen Anbieter Tiktok, wenn es um die Verbreitung von witzigen Momentaufnahmen geht. Der SNAP-Kurs brach nach Bekanntgabe um knapp 29% ein, nun möchte das Unternehmen eigene Aktien im Volumen von bis zu 500 Mio. USD zurückkaufen. Die Aktie kostet nur noch 7,9 USD und hat in 12 Monaten bereits 88% Kursverlust angehäuft.

    Aspermont Ltd. – Nach der Europa-Roadshow stark gefragt

    Deutlich besser läuft es beim australischen Fintech-Unternehmen Aspermont Ltd., denn seit Jahresanfang 2022 liegt die Aktie noch mit 4,5% im Plus, obwohl die weltweiten Börsen bis zu 30% verloren haben. Die Firmengruppe aus Perth ist Medien- und Fintech-Unternehmen in einem. Denn das Stammgeschäft beinhaltet zwar historisch bedingt noch Printmedien, in den neuen Kernsektoren ist Aspermont aber höchst modern aufgestellt und versorgt über 4 Mio. Kunden mit speziell zugeschnittenen Daten- und Finanzdienstleistungen.

    Basierend auf einem XaaS-Modell bietet Aspermont ein Audience-Client-Ökosystem, welches sich flexibel an die Bedürfnisse der jeweiligen Empfänger anpasst. Innerhalb eines großen Netzwerks von Informationsaussendern stellt man einer breiten Interessenten- und Investoren-Community innerhalb eines B2B-Ansatzes exklusive News und Daten über die globale Rohstoffbranche bereit. Die Kontakte werden auf der Plattform „Blu Horseshoe“ auch zur Platzierung und Vermittlung von Investoren-Kapital verwendet, das angefragte Geschäftsvolumen steigert sich hier von Quartal zu Quartal. Der operative Trend bei Aspermont überzeugt, denn der Halbjahresumsatz 2022 konnte bereits von 7,3 auf 9,3 Mio. AUD gesteigert werden, die verfügbare Liquidität ist auf 6,6 Mio. AUD angewachsen.

    Auf einer größeren Europa-Roadshow im September konnte das Unternehmen viele neue Investoren gewinnen, die Börsenumsätze stiegen stark an und der Kurs legte rund 50% zu. Das Analysehaus GBC sieht wegen des starken Wachstumspotenzials auf Sicht von 14 Monaten ein Kursziel von 0,11 AUD respektive 0,08 EUR und votiert mit Kauf. Bei einer aktuellen Notiz von 0,016 EUR birgt dies ein Potenzial zum Verfünffacher. Der Börsenplatz Tradegate bietet risikobewussten Investoren eine sehr gute Liquidität in der Aktie, ordern sie aber stets mit Limit.

    Meta Platforms, Amazon & Co – Die Woche der FAANGs

    Ab heute wird es richtig spannend. Denn die größten Technologieunternehmen der Welt öffnen ihre Bücher zum abgelaufenen Quartal. Für die NASDAQ und speziell den DAX als „Follower“ hat dies ein besonderes Gewicht und dürfte kurzfristig auch über die Fortsetzung der Korrektur entscheiden. Rein technisch gab es vergangene Woche bereits positive, divergente Signale zugunsten einer Verschnaufpause nach oben.

    Nach Recherchen von Barron´s summiert sich der Marktwert der reportenden Unternehmen auf ungefähr 25% der Kapitalisierung des schwersten Index der Welt, dem S&P 500. Brisant dabei ist, dass die berichtenden Unternehmen zum letzten Mal ihren Ausblick für 2022 adjustieren können und sicherlich auch eine Erwartung für 2023 formulieren. Aussagen zum nächsten Jahr dürften sehr schwierig sein, denn der weltweite Konjunktureinbruch und die galoppierende Inflation könnte stark auf den Konsum- und Investitionsbudgets von Privaten und Firmen lasten. Der Technologiesektor leidet überdies an steigenden Zinsen und dem starken US-Dollar.

    Der Facebook-Betreiber Meta Platforms wird am 26. Oktober seine Ergebnisse veröffentlichen. Das Unternehmen selbst erwartet Gesamteinnahmen in einer breiten Spanne zwischen 26 und 28,5 Mrd. USD für das letzte Quartal. Die Konsensschätzung befragter Analysten liegt bei 27,44 Mrd. USD, was einen Rückgang von 5,4% gegenüber dem Vorjahresquartal bedeuten würde. Der Gewinn je Aktie soll demnach bei 1,82 USD liegen, über 40% niedriger als im Vorjahresquartal. Vielleicht wird es doch nicht so schlimm – es hilft nur Anschnallen!


    Der Ausverkauf an den Börsen stoppte am vergangenen Freitag adhoc und schickte die NASDAQ mit einem Intraday-Reversal fulminant nach oben. Vielleicht ist das ein Vorbote für positive Überraschungen bei den FAANG-Titeln. Günstig sind sie alle nicht, aber die Bewertung liegt schon mal deutlich tiefer als zu Jahresanfang. Die kleine Aspermont Ltd. konnte in 2022 bislang positiv überraschen und wächst weiter!


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    André Will-Laudien

    Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.

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