03.06.2026 | 04:15
IPO statt Stromausfall? Power-Aktien wie Siemens Energy, A.H.T. Syngas, OHB und SpaceX starten durch
Deutschland zählt bei der Stromversorgung weiterhin zu den zuverlässigeren Ländern Europas, die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit lag 2024 bei 11,7 Minuten je Endverbraucher. Das zeigt: Stromausfälle sind hierzulande im statistischen Schnitt selten und meist kurz, auch wenn es regional Unterschiede gibt. Für Investoren dreht sich seit der enormen Stromabnahme durch KI-Rechenzentren alles um Verfügbarkeit und Effizienz im Energiesektor. Hier rücken Unternehmen wie Siemens Energy in den Fokus, weil die Modernisierung der Energieinfrastruktur und die steigende Komplexität des Stromsystems einiges an Knowhow erfordert. Neben den Münchnern besitzt auch A.H.T. Syngas innovative Konzepte, um in einem energiepolitisch getriebenen Umfeld zu brillieren. Wer energiegeladene Systeme sucht, den könnte auch der weitere Fortgang bei OHB und SpaceX interessieren. Findet diese Rally noch auf gesundem Boden statt?
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , OHB SE O.N. | DE0005936124 , SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US000SPACEX0
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Siemens Energy – Hat hier jemand den Stecker gezogen?
Der Energie-Sektor ist mit der Nahost-Krise wieder in aller Munde. Das gilt in erster Linie für die jüngst extrem stark gelaufenen Wasserstoff-Titel wie Plug Power oder Nel ASA. Den Bogen überspannt hat wohl Siemens Energy, die beste DAX-Aktie aus dem Jahr 2025. Hier ging es bis 195 EUR nach oben, gestern kämpfte der Titel schon mit der 160 EUR-Linie. An operativ guten Meldungen mangelt es nicht. So akquirierten die Münchener jüngst die nordirische Camlin Group, die große Kompetenzen in den Bereichen digitale Stromnetze, Datenanalyse und Anlagenüberwachung mitbringt. Die Camlin Group erzielte mit 650 Mitarbeitenden im letzten Jahr einen Umsatz von rund 104 Mio. EUR und wächst stark im Bereich Digitalisierung. Die Übernahme ist Teil der Strategie von Siemens Energy, das eigene Portfolio kontinuierlich zu stärken und auszubauen. Indes gab es auch bei von JPMorgan eine Bestätigung des Ratings „Overweight“ mit Kursziel 225 EUR. Ein technisches Verkaufssignal gab es vor drei Tagen bei Unterschreiten der 50-Tage-Linie, nun steht mit 135 EUR die 200-Tage-Linie im Raum. Da es operativ aber keine schlechten News gibt, könnte sich die mehr als nötige Konsolidierung aber auch bald zum Ende neigen.
Polen-Deal, Wandelanleihe und Wachstumssprung: A.H.T. vor operativer Neubewertung
Im aktuellen Umfeld der europäischen Energiepolitik braucht es wirklich griffige Konzepte für eine nachhaltige Wende. Der GreenTech-Anbieter A.H.T. Syngas Technology (kurz: AHT) macht hier von sich reden. Denn während sich viele Marktteilnehmer bei der Energiewende fast ausschließlich auf große Wasserstoffprojekte und milliardenschwere Infrastrukturprogramme konzentrieren, arbeitet AHT an einem deutlich pragmatischeren Ansatz. Das Unternehmen hat sich auf dezentrale Energiesysteme spezialisiert, welche biogene Reststoffe, Holzabfälle, Klärschlamm oder Gärreste verwerten kann. Vor Ort geschieht die Umwandlung in Strom, Wärme, Synthesegas und perspektivisch auch Wasserstoff. Gerade in Zeiten steigender Energiekosten und wachsender Anforderungen an Versorgungssicherheit gewinnt dieser v. a. lokale Ansatz zunehmend an Bedeutung und das weitgehend unabhängig von fossilen Brennstoffen.
Technologisch verfügt A.H.T. über eine bemerkenswerte Marktposition. Herzstück der Lösung ist ein patentiertes Doppelfeuer-Vergasungsverfahren, das im Vergleich zu klassischen Festbettvergaser-Systemen ein besonders sauberes Produktgas erzeugt. Der Wasserstoffanteil im erzeugten Synthesegas liegt stabil bei über 40 %, während gleichzeitig auch anspruchsvolle Einsatzstoffe verarbeitet werden können, die für viele Wettbewerber nur schwer nutzbar sind. Damit deckt das Unternehmen nicht nur die Energieerzeugung ab, sondern beherrscht wesentliche Teile der Wertschöpfungskette rund um die dezentrale Gasproduktion. Die Möglichkeit, künftig Wasserstoff direkt aus Biomasse zu gewinnen, eröffnet darüber hinaus ein zusätzliches Wachstumsfeld.
CEO Gero Ferges hat im Rahmen des 19. International Investment Forums jüngst genauere Einblicke gegeben. Hier geht´s zum Video.
Operativ befindet sich A.H.T. derzeit in einer entscheidenden Transformationsphase. Das Management verfolgt zunehmend das Ziel, eigene Anlagen langfristig zu betreiben und damit wiederkehrende Erlösströme aufzubauen. Dieser Strategiewechsel reduziert die Abhängigkeit vom klassischen Anlagenverkauf und erhöht gleichzeitig die Planbarkeit der zukünftigen Cashflows. Die Investitionskosten pro Anlage bewegen sich je nach Größe zwischen rund 1,6 Mio. EUR und 8 Mio. EUR und schaffen die Grundlage für skalierbare Contracting-Modelle. Die Wachstumsziele für die kommenden Jahre sind entsprechend hoch angesetzt: Nach einem Umsatz von rund 2,25 Mio. EUR im Jahr 2025 soll der Erlös 2026 auf mehr als 9 Mio. EUR steigen und bis 2028 auf etwa 23 Mio. EUR anwachsen. Parallel dazu plant das Unternehmen den operativen Turnaround. Nach einem EBITDA-Verlust von rund 1,7 Mio. EUR im Jahr 2025 wird bereits kurzfristig die Gewinnschwelle angestrebt, bevor ab 2027 nachhaltig positive Ergebnisse erwartet werden. Mit der Platzierung einer Wandelanleihe über 2 Mio. EUR ist die Finanzierung erst mal gebongt.
Spannend erscheint darüber hinaus die jüngst geschlossene Kooperation mit dem polnischen Projektentwickler INNOTEC Energy. Polen steht aufgrund des schrittweisen Ausstiegs aus der Kohleverstromung vor einer umfassenden Neuordnung seiner Energieversorgung und verfügt gleichzeitig über erhebliche Biomassepotenziale. Über die Partnerschaft erhält AHT direkten Zugang zu 17 konkreten Projektvorhaben. Bereits für die kommenden Monate werden daraus potenzielle Auftragseingänge von über 10 Mio. EUR erwartet, eine Größenordnung, die angesichts der aktuellen Unternehmensdimension erhebliches Gewicht besitzt. Einsammeln!

OHB und SpaceX – Raketenverdächtige Kursentwicklungen ante Portas
Jetzt ist der Katzenjammer groß! Trotz aller Unkenrufe explodierte der Kurs des Bremer Satelliten-Spezialisten OHB im laufenden Jahr um fast 700 % auf ganze 688 EUR. Dann war aber auch Schluss! Trotz SpaceX-Phantasie fiel der Kurs in nur 8 Handelstagen auf unter 390 EUR zurück. Bitter für die, die ohne Stopp agiert hatten. Der Kursanstieg von OHB wird am Markt teilweise im Kontext des heiß erwarteten Börsengangs von Elon Musks Wunderschmiede SpaceX verstanden. Hier sollen in nur zwei Wochen Werte von etwa 2 Billionen USD zur Notiz kommen. Der zentrale Mechanismus für das aktuelle Narrativ ist dabei weniger fundamental als vielmehr sektorgetrieben. SpaceX gilt als dominanter globaler Player in der kommerziellen Raumfahrt und jede Erwartung eines Börsengangs verändert die Bewertungslogik aller Mitbewerber. Investoren beginnen in solchen Phasen, börsennotierte Raumfahrtunternehmen wie OHB als „listed proxy“ für das Space-Ökosystem zu betrachten. Dadurch steigt die Nachfrage nach Aktien, die zumindest indirekt vom strukturellen Wachstum der Raumfahrtindustrie profitieren könnten. Dieser sogenannte „Listing-Comparable-Effekt“ führt häufig zu einer Neubewertung von Second-Tier-Playern, obwohl deren Geschäftsmodell nur begrenzt mit dem dominanten Marktführer korreliert. Der Kursanstieg bei OHB ist daher eher als Reflex auf ein mögliches Re-Rating des gesamten Space-Sektors zu verstehen und weniger als direkte Antizipation eines SpaceX-Börsengangs. Ein 2026e KGV von 120 und KUV von 6 ist selbst im aktuellen Bubble-Umfeld aber ein Schluck zu viel aus der Pulle. Die Normalisierung läuft!
Alternative Energien gelten als zentraler Hebel, um Europas Energieherausforderungen dauerhaft zu entschärfen. Sie stärken die Versorgungssicherheit, verringern die Abhängigkeit von Preisschwankungen und unterstützen zugleich das Erreichen der Klimaziele. In diesem Umfeld rücken Unternehmen wie Siemens Energy zunehmend in den Fokus. Interessant positioniert sich A.H.T. Syngas mit Lösungen zur Umwandlung von Abfällen in Synthesegas als Bindeglied zwischen Kreislaufwirtschaft und Energieerzeugung. Mit Blick auf den SpaceX-Börsengang gewinnt der Tech-Sektor spürbar an Dynamik. OHB könnte auf tieferem Niveau durchaus nochmals ordentlichen Auftrieb erhalten.
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